Karlskron wurde als erste Niederlassung im Donaumoos gegründet. Die ersten Häuser entstanden entlang der neuerbauten Moosstraße von Reichertshofen nach Lichtenau. Zu Ehren des hohen Förderers der Donaumooskultur, des Kurfürsten Karl Theodor, erhielt die neue Kolonie den Namen Karlskron.
1791 am 24. März erging von Seiten der Kommission die Kundmachung, daß sie die, nach Verteilung an die vorigen Mooslehensbesitzer, übrig gebliebenen Gründe zu verkaufen gesonnen sei.
Alsbald meldeten sich verschiedene Kulturlustige, die sich Häuser und Wirtschaftsgebäude von der Kommission erbauen ließen und sich Grundstücke zum Preis von 60 bis 65 fl. pro Tagwerk erkauften. Einer der ersten Ansiedler war Alois Deibl aus Schellwitz, der sich an der neuen Moosstraße niederließ. Da in dieser Gegend voraussichtlich mehrere Häuser gebaut wurden, deren bereits schon einige, von der Kommission erbaut, vorhanden waren, ersuchte er im Juli 1791 um die Erlaubnis, eine Taverne errichten zu dürfen. Nachdem er, wie viele der ersten Ansiedler, unter einer hohen Schuldenlast seine Wirtschaft begann, ist es leicht begreiflich, daß man bereits in der Nummer vom 2. Oktober 1793 des Münchner Intelligenzblattes ein Verkaufs-Angebot des Wirtsanwesens von Karlskron lesen konnte.
Die Bautätigkeit war in den ersten Jahren der Kolonisierung äußerst rege. Vom Mai 1791 bis August 1792 entstanden an Gebäuden:
Kolonie an der neuen Moosstraße:
sechs Häuser von Gemäuer mit Stadel und Stallung, ein gemauert kleines Haus
Kolonie an der Aschelsrieder Gemeinde:
ein gemauert kleines Haus mit angebautem Stadel
ein gemauert kleines Haus mit angebauter Baracke
zwei gemauert kleine Häuser
zwei Baracken mit Stallung
vier Baracken
Kolonie an der Pobenhauser-Straße:
acht bewohnte Baracken
zwölf unbewohnte Baracken
Kulturgebäude:
eisenfronfeste (für die im Moose arbeitenden Zuchthäusler)
Lazarett
Ziegelgebäude
Übersteherbaracken
Carré (Sträflinge)
Kulturbrücke
Gebäude für verschiedene Kulturarbeiten, als Kalklöschen, Schubkarren- und Taschenbrettelmachen, Pfeilspitzen u.a.
Frankenbaracken
Gesteinsbaracke
Die auf Vorrat gebauten Häuser und Baracken fanden alsbald ihre Käufer. Aus der näheren Umgebung und ganz Bayern strömten Ansiedler herbei.
Nach einem Bericht der Kommission befand sich die neue Kolonie zwar in gutem Zustand, die jährlichen Zahlungen konnten aber nicht aufgebracht werden, da die Gründe zu teuer, die Häuser zu hoch zu stehen kamen und die Einrichtung beträchtliche Gelder erforderte. Viele Bemittelte wurden durch Streitigkeiten mit den Moosangrenzern so abgeschreckt, daß sie ihre Häuser und Plätze wieder verließen. Wollte man das Unternehmen zu einem guten Ende führen, so mußten die Ansiedlungen eine Erleichterung erfahren. Die Kulturkommission machte daher dem Kurfürsten folgende Vorstellungen:
Man laufe zum Schaden der Kultur Gefahr, den ganzen Endzweck zu verfehlen. „Eure Kurfürstliche Durchlaucht haben zwar für den herunteren Teil des Mooses den Namen Karlskron geschöpft, es liegt also neben bei dero Höchsten Gnaden dann, daß diese Kolonie nicht nur erhalten und vermehrt, sondern in den erforderlichen Stand hergestellt werde.“Um den ärmeren Leuten zu helfen, brachte man schließlich unter Verwendung der 4 Hofkammeraktien von München und Neuburg nebst den Gewinnanteilen 60000 fl. auf, um damit den Professionisten Häuser und den Bauersleuten Gründe unentgeltlich zu geben. Zur Schonung des Kulturfonds wurden den Kolonisten weiterhin namhafte Darlehen aus Kirchenstiftungen Bayern gewährt wurden.
Freilich waren auch viele unlautere Elemente in das Donaumoos gekommen. Man suchte sie allmählich wieder zu entfernen. Mancher, der die jährlichen Raten seiner Kaufschuld nicht bezahlen konnte, wurde weggejagt.
Ortsgeschichte Adelshausen
Die Gemeinde Adelshausen
Die ehemalige Gemeinde Adelshausen, zu der auch das Dorf Aschelsried und der Gutshof Wintersoln gehörten, kann auf eine viel längere Geschichte zurückblicken als Karlskron. Nördlich von Aschelsried sind noch Spuren von einem Graben eines ehemaligen Burgstalls zu finden. Die Hauptstraße durch das Dorf Adelshausen heißt seit der Eingemeindung Schloßstraße, weil sich in Adelshausen einst ein Schloß befand. Im Ostermoos zwischen Adelshausen und Aschelsried wurde eine Pfeilspitze aus der Steinzeit gefunden, die sich jetzt in der Prähistorischen Sammlung in München befindet. Das Dorf Adelshausen wird überragt vom Linnerberg, in dessen Hang schon die Menschen der Steinzeit Wohnhöhlen gegraben haben, die auch in der Bronze- und Keltenzeit bewohnt blieben.
Unterirdische Gänge geben darüber Auskunft, Adelotishusen ist eine frühe Siedlung nach der bayuwarischen Landnahme. Ende des 12. Jahrhunderts gab es schon so etwas wie eine Hofmark Adelshausen, über die der Ortsadel gebot. Von den Rittern, gesessen auf Adelshausen, erschienen im 13. Jahrhundert 1227 Heinrich von Adelshusen, 1251 Diepold von Adelshusen, 1295 August, Ritter Heinrich von Adelshusen.
In sechs Geschlechterfolgen von 1525 bis 1573 sind es die Pehaim, die auf Schloß Adelshausen wohnen und wirtschaften als Lehenträger der bayerischen Herzöge. Zwischen 1500 bis 1532 bauen sich die Behaim ihr Schloß neu auf und erhalten vom Herzog eine neue Lehensübereignung, der ihnen das Patronatsrecht, die Schirmvogtei und den Besitz der Peterskirche zuerkennt. Der letzte Ritter Ruprecht Behaim hauste so übel, daß er an Georg Freiherr von und zu Gumpenberg 1573 verkaufen mußte, der später auch die Hofmarken Baar und Freinhausen dazu erwarb. 1648 fiel der letzte Gumpenberger bei Ingolstadt. Das Schloß von Adelshausen war schon in den Religionswirren des 16. Jahrhunderts zerstört und nicht mehr aufgebaut worden. Von 1679 bis 1811 waren die Grafen von Preising Herren auf Adelshausen.
Am 1. Oktober 1839 ist Adelshausen zum Törring`schen Gutsbesitz geschlagen worden. Dabei wurde es an das Landgericht Schrobenhausen eingegliedert. 1848 fand der Status der Hofmarken ein Ende.
Den Schwedenkrieg und die Pestjahre mußte Adelshausen erleiden; besonders schlimm erging es Adelshausen und Aschelsried im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1714). Die ganze Hofmark wurde ausgeraubt, das letzte Stück Vieh fortgetrieben.
Die Leute mußten sich selbst in den Pflug spannen. Unter Hecken und Zäunen lagen Leichen mit Gras- und Laubbüscheln im Mund, womit sie ihren Hunger stillen wollten.
1796 und 1809 verwüsteten die Franzosen den Ort raubten ihn aus.
Am 14. Januar 1791 taucht im Heiratsmatrikel der Pfarrei Adelshausen erstmals die Mooskolonie Karlskron auf:
der Wittiber Erhard Feigl aus Karlskron heiratet die Lehrerstochter Theresia Schierl.
Ebenso alt wie Adelshausen ist Aschelsried, althochdeutsch Ascuinisriuth, auch Ascrihes-Sied genannt. Es taucht urkundlich 836 und 1055 in Freisingen und Kloster Weltenburgs Traditionen auf. Zwischen 1206 und 1231 erwarben dort Kloster Kaisheim und Scheyern Landbesitz.
Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele Heimatvertriebene nach Adelshausen und Aschelsried und machten 33,2 % der Bevölkerung aus.
Schon 1963, als Bürgermeister Kaspar Klas die Geschicke der Gemeinde lenkte, wurden in Adelshausen die Flurbereinigung und die Ortskanalisation durchgeführt. Johann Priller war der letzte Bürgermeister von Adelshausen.
Dorfgeschichte von Pobenhausen
Um 700
Die Existenz des Dorfes Pobenhausen zu dieser Zeit wird durch Ausgrabungen im Bereich der Apianstraße nachgewiesen.
907-914
Die Quellen geben das Kloster Tegernsee in dieser Zeit als Grundherrn für Höfe in Pobenhausen an. In diesem Zusammenhang ist auf das Tegernseer Urbar (Besitzrechtsverzeichnis) des 13. Jahrhunderts zu verweisen. Auslöser für diese Aufstellungen war die Säkularisierung, d. h. die Verweltlichung des Klosterbesitzes Tegernsee in den Jahren 907 bis 914 durch Herzog Arnulf.
Dieser stand im Abwehrkampf gegen die Ungarn und benötigte einen Ausgleich für die Unterstützung seines Kampfes gegen die Ungarn zugunsten seiner Mitstreiter.
Dieser Ausgleich erfolgte durch Entzug des Klosterbesitzes und Belehnung seiner Mitstreiter. Deshalb wurden in Tegernsee auch Unterlagen gefertigt, in denen die abgegangenen Güter festgeschrieben wurden und sich auch noch der Bestand der sich im klösterlichen Besitz befindlichen Güter ersehen lässt.
1020-1060
In der Zeit zwischen 1020 und 1026 wird Otto I. von Diessen als Lehensträger für Pobenhausen genannt, der als einer von Herzog Arnulf Begünstigter gelten kann. Otto I. gab seinen Grundbesitz an seinen Neffen Otto II. weiter, der für das Jahr 1060 als Grundherr in Pobenhausen genannt wird.
1079/1140
Im Jahre 1079 wird ein Wernher de Husen als Zeuge einer Schenkung genannt, so dass für diese Zeit ein in Pobenhausen begüterter Adeliger genannt wird. Gleiches gilt für die Zeit um 1140 für Routland und Konrat de Pobinhusen.
1185 In diesem Jahr wird ein Pobo von Berg als ein Ministerialer der Wittelsbacher in Niederarnbach genannt. Bei diesem Adeligen findet sich ein Namensteil von Pobenhausen, nämlich der Namensteil Pobo. Der Name Pobo ist eine Abkürzung für Jakob, so dass der Dorfname Pobenhausen als „Bei den Häusern des Jakob“ übersetzt werden kann.
1231
Für das Jahr 1231 kann urkundlich festgestellt werden, dass Willibirgis von Pritelbach dem Kloster Scheyern einen Hof in Pobenhausen schenkte. Dieser Hof war bis 1752 als einziger Hof im Dorf noch im Besitz des Kloster Scheyerns. Diese Tatsache weist auf das „Rauchenanwesen“, das noch heute unter der Anschrift Schrobenhausener Straße 21 in Pobenhausen besteht.
1240
Im Herzogurbar diesen Jahres werden in Pobenhausen zwei größere und weitere fünf kleinere Anwesen genannt, so dass das Dorf damals über insgesamt sieben Höfe verfügte.
Um 1300
Für Pobenhausen treten vermehrt Hinweise auf die Grundherrschaft des Klosters Niederschönenfeld auf. 1272 wird darauf verwiesen, dass das Kloster den „unteren Hof“ in Pobenhausen an den Ritter Marquard von Willenbach zur lebzeitigen Nutzung verkaufte. Die damalige Äbtissin des Frauenklosters Niederschönenfeld, die diesen Vertrag abschloss, trug den Namen Irmengardis (Irmgard).
1364
Am 26. Dezember 1364 wurde gegen die Herren von Arnbach, zu deren Besitz auch Pobenhausen gehörte, ein harter Schlag geführt. Der damalige bayerische Herzog Stephan II. nahm das Schloss Niederarnbach ein. Bei diesem Ereignis handelte es sich um eine Fehdeauseinandersetzung zwischen dem bayerischen Herzog und den Herren von Arnbach. Die Herren von Arnbach hatten den politischen Fehler begangen, Kaiser Karl IV. von Böhmen zu huldigen anstatt den Wittelsbachern. Zudem hatten die Herren von Arnbach Langenmosen geplündert. Daraufhin erfolgte ein Angriff der Wittelsbacher auf die Herren von Arnbach mit der Folge, dass das Schloss niedergebrannt, viele Untertanen ihr Leben verloren und verwüstetes Land hinterlassen wurde. Nach dieser Niederlage wurde die Herrschaft Arnbach geteilt. Den Teil Oberarnbach erhielt Hans von Preysing zu Kronwinkl, Niederarnbach ging an die Herren von Wemding. Zur damaligen Zeit waren die Herren von Wemding Ritter und Pfleger in Ingolstadt. Damit wurden diese auch Grundherrn in Pobenhausen.
1449
Am 6. Februar 1449 wird in einem Lehensbrief für Niederarnbach bestätigt, dass Georg von Kamer Arnbach von Herzog Heinrich zu Lehen erhielt, wobei diese Urkunde ausdrücklich ein Dorfgericht in Pobenhausen erwähnt.
1464/1465
Im Jahre 1464 bricht wegen des Erbes von Niederarnbach in der Familie von Kamer ein Erbstreit aus, der damit endete, dass Herzog Ludwig Niederarnbach an Georg von Kamer lehensweise überlies. Der entsprechende Lehensrevers (Verpflichtungserklärung) wurde am 17. Dezember 1465 ausgestellt.
1488-1521
Im Jahre 1488 kauften Oswald von Weichs und seine Frau Niederarnbach von Wilhelm von Kamer, wobei die Hofmark Pobenhausen ebenfalls an ihn überging. Die Ära der Weichser dauerte bis 1521.
1521-1551
Im Jahre 1521 kaufte Anton von Frauenberg Niederarnbach von den Weichsern. Der entsprechende Lehensrevers wurde am 5. Mai 1532 ausgestellt. Dieses Lehensverhältnis wurde 1551 durch Herzog Albrecht bestätigt.
1571
Zu dieser Zeit findet sich ein Lehensrevers des Daniel Messenpeckh zu Schwendt bezüglich der Güter von Niederarnbach. Nachdem Cyriakus von Preysing die einzige Tochter von Daniel Messenpeckh geheiratet hatte, ging das Besitztum von Niederarnbach und damit auch die Höfe von Pobenhausen in dessen Besitz über.
1587
Cyriakus von Preysing verkaufte Niederarnbach am 29. Mai 1587 an Johann Ludwig von Gumppenberg.
1594-1598
Am 28. Februar 1594 erfolgte der Verkauf der Güter Niederarnbach durch Johann Ludwig von Gumppenberg an seinen Schwager Ferdinand Vöhlin von Frickenhausen und Illertissen. Die Vöhlins bauten das Schloss Niederarnbach im Jahre 1598 für 60.000 fl. (Gulden).
1618-1648 Der Dreißigjährige Krieg
Laut bischöflichen Archivhinweisen sind die entsprechenden Personalunterlagen verloren gegangen und beginnen erst 1701 wieder. Dass Pobenhausen jedoch vom Dreißigjährigen Krieg nicht unverschont blieb, lassen folgende Hinweise erkennen:
Die Familie Vöhlin baute das Schloss Niederarnbach für 60.000 fl. und verkaufte den Besitz insgesamt für 47.500 fl., also mit einem ganz erheblichen Wertschwund.
Im Dreißigjährigen Krieg vertrat Pfarrer Kaspar Siber aus Deimhausen drei Mal in der Zeit von 1636 bis 1655 die Pfarrei Pobenhausen, weil keine Pfarrer mehr vorhanden waren.
Die Errichtung der Wallfahrtskirche nach dem Dreißigjährigen Krieg auf dem ehemals als „Geisberg“ bezeichneten Hügel könnte ein Indiz dafür sein, dass die Herren von Pfetten ihren Besitz nach Verlusten im Krieg wieder aufforsten wollten.
1624
In diesem Jahr verkaufte Hans Adam von Vöhlin den Besitz Niederarnbach an Hans Albrecht von Seiboltsdorf für 47.500 fl.
1629
Im Jahre 1629 erstellten die Herren von Seiboltsdorf eine Besitzliste, die für Pobenhausen insgesamt zwölf Anwesen ausweist. Die Familie von Seiboltsdorf saß seit 1518 auf der Hofmark Schenkenau bei Hohenwart und war damit in unmittelbarer Nähe von Niederarnbach-Pobenhausen begütert. Die Kinder von Viktor Adam von Seiboltsdorf ließen allerdings das Lehen verfallen.
1665-1848
Nach dem Verfall des Lehens der Seiboltsdorfer konnte der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria Marquard von Pfetten im Jahre 1665 mit den Gütern von Niederarnbach und den Hofmarken Pobenhausen, Hohenried und Brunnen belehnen. Marquard von Pfetten wurde am 12. April 1677 Hofkammerpräsident des bayerischen Kurfürsten.
1690 entließ Kurfürst Max Emanuel das Gut Niederarnbach aus dem Lehensverband mit der Folge, dass die Familie Pfetten das Gut als freies Eigentum erwarb. Marquard von Pfetten starb am 5. Dezember 1691 in München.
Die Grundherrschaft der Familie Pfetten endete allerdings im Jahre 1848 mit deren Auflösung durch das Gesetz über die Aufhebung der standes- und gutsherrlichen Gerichtsbarkeit.
Seit 1848
Das Gut Niederarnbach blieb seit der Übergabe an die Familie von Pfetten im Besitz dieser Familie. Der heutige Besitzer ist Niklas, Christoph, Marquard von Pfetten (geb. 1966).
Das Dorf Pobenhausen gehörte seit 1850 zum Landgericht Schrobenhausen und seit 1879 zum Amtsgericht Schrobenhausen. Diese Zuständigkeit blieb bis zur Gebietsreform 1978 bestehen, danach ging diese auf das Amtsgericht Neuburg a. d. Donau über.
Pobenhausen nach dem 2. Weltkrieg
Tiefgreifende Veränderungen im Dorfleben
Der Nationalsozialismus und der daraus resultierende Zweite Weltkrieg (20 Todesopfer) zog für das Dorf Pobenhausen tiefgreifende Veränderungen nach sich.
Viele Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten hatten ihre Heimat verloren und suchten jetzt eine Bleibe. In fast jedem Hof war eine Vertriebenenfamilie untergebracht. Die Einwohnerzahl von Pobenhausen verdoppelte sich fast. Wenn auch die meisten Vertriebenen Pobenhausen wieder verlassen mussten, weil sie keinen Arbeitsplatz fanden, so ist unser Dorf für viele Heimatvertriebene doch zur zweiten Heimat geworden.
Das dörfliche Leben unterzog sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auch gewaltigen Änderungen, nachdem sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts lange Zeit wenig geändert hatte. Noch vor zwei Generationen wurde das Dorfgeschehen fast ausschließlich von der Landwirtschaft und den damit verbundenen Handwerksbetrieben bestimmt.
Entwicklung der Erwerbsstruktur in Pobenhausen
Jahr
Vollerwerbslandwirte
Nebenerwerbslandwirte
Gewerbetreibende
Arbeitnehmer
1955
54
8
17
29
1971
30
10
11
58
1985
21
7
9
88
2003
5
13
14
247
2010
2
13
18
387
Die 1950er Jahre brachten dann die schnellsten und radikalsten Veränderungen mit sich. In atemberaubendem Tempo ersetzten Traktoren („Bulldog“), Bindemäher und später der Mähdrescher den Ochsen, das Pferd und den Dreschwagen. Immer bessere Landmaschinen verdrängten immer mehr Menschen aus der Landwirtschaft. Viele kleine Bauern in unserem Dorf gaben ihren Hof auf oder betreiben heute noch Nebenerwerb, hauptsächlich mit Kartoffel- und Getreideanbau.
Auch das Gastgewerbe unterzog sich einem großen Wandel. So gab es in Pobenhausen zunächst drei Gaststätten, die Gasthäuser Grabmair, Ettl und Graßl, in denen auch viele Vereine Unterschlupf fanden. Nachdem beim Gastwirt Grabmair im Jahre 1972 die Wirtin verstorben war, konnte die Wirtschaft nicht mehr bewirtet werden und wurde aufgegeben. Als nächster Gastwirt schloss das Gasthaus Ettl Ende der 1970er Jahre seine Pforten. Auch der letzte Gastwirt Graßl blieb von diesem Schicksal nicht verschont und gab zum Jahresende 1989 seinen Betrieb auf, ohne würdige Nachfolger zu finden. Eine langjährige Tradition des Theaterspiels und auch diverser traditioneller Bälle ging zu Ende.
Bis zu Beginn 2010er Jahre fanden Veranstaltungen häufig im Feuerwehrhaus oder im alten Schulhaus, dem Schützenheim statt. Dort hält der Schützenverein „Hubertus“ die Tradition des sonntäglichen Frühschoppens aufrecht. Mittlerweile ist das ehemalige Schützenheim Teil des 2012 fertiggestellten Bürgerhauses, welches durch einen Neubau erweitert wurde. Die großzügigen Räumlichkeiten bieten nun die Möglichkeit, an vergangene Traditionen wieder anzuknüpfen und allen örtlichen Vereinen und Gruppierungen Platz für ihre gemeinsamen Unternehmungen zu bieten
Heute finden Veranstaltungen häufig im Feuerwehrhaus oder im alten Schulhaus, dem jetzigen Schützenheim statt. Der Schützenverein „Hubertus“ hält in seinem Schützenheim die Tradition des sonntäglichen Frühschoppens aufrecht. Das in Planung befindliche Bürgerhaus, welches durch die Erweiterung des Schützenheimes entstehen soll, würde nun die Möglichkeit bieten, an vergangene Traditionen wieder anknüpfen und den örtlichen Vereinen Unterschlupf bieten zu können.
Bevölkerungsentwicklung in Pobenhausen
Jahr
Einwohner
Erläuterung
1900
370
um die Jahrhundertwende
1939
351
vor dem 2. Weltkrieg
1946
598
Zuzug der Heimatvertriebenen
1955
439
Abwanderung der meisten Vertriebenen
1961
405
über einen längeren Zeitraum kaum Veränderungen
1967
395
1985
413
2003
552
neue Baugebiete wirken sich aus
2010
571
nur leichter Zuwachs
Seelsorger der Pfarrgemeinde Pobenhausen seit 1950
Bis zum 8. Mai 1950 verlieh Pfarrer Johannes Evangelist Huber, zugleich Benefiziumsvikar des Kalvarienbergs, der Pfarrei Pobenhausen seine seelsorgerischen Dienste.
Von 1950-1954 betreute Vikar Josef Hanus als letzter eigener Pfarrer die Pfarrei Pobenhausen und das Benefizium auf dem Kalvarienberg. Er gehörte zu den vielen, die nach dem Krieg ihre Heimat verlassen mussten. Sein Einkommen war als Vikar in der kleinen Pfarrei sehr bescheiden.
Von 1954-1963 übernahm neben seiner Pfarrei von Adelshausen Pfarrer, Dekan und Geistlicher Rat August Fischer als Vikar die Pfarrei Pobenhausen.
Von 1963-1987 wird die Pfarrei von Pfarrer, Dekan und Geistlicher Rat Sebastian Wolf von Brunnen mit vikariert. Am 15. Februar 1987 wurde er mit einem Festgottesdienst und einer weltlichen Feier im Gasthaus Graßl verabschiedet.
Von 1987-1992 übernahm Pfarrer Alfred Fottner, welcher bereits zwei Jahre zuvor seine erste Pfarrstelle Karlskron und als Vikar die Pfarrei Adelshausen betreute, die Ortspfarrei.
1992-2008 oblag die Seelsorge in der Pfarrei Pobenhausen Pater James Purathail vom indischen Orden „Little Flower Congregation“. Er kehrte in seine indische Heimat Kerala zurück.
Im Zeitraum 2008-2010 betreute Pater Johnson Varakaparambil die Pfarrgemeinde Pobenhausen, nachdem er bereits 2003-2006 als Kaplan hier wirkte. Wie sein Vorgänger ist auch er Mitglied des Ordens „Little Flower Congregation“.
Seitdem Pater Johnson die Pfarrgemeinde Aitrang im Allgäu mit seinen seelsorgerischen Diensten versieht, nimmt seit 2010 Pater Dr. Georg Kalladanthiyil die Stelle des Pfarrers in der Pfarreiengemeinschaft Karlskron, Adelshausen und Pobenhausen wahr.
Bürgermeister der Gemeinde seit 1945
Bürgermeister der Gemeinde Pobenhausen bis zur Eingemeindung:
1945-1948 Paul Haller
1948-1956 Kaspar Kaltenhauser
1956-1966 Anton Kraus
1966-1978 Wilhelm Ganser
Nach der Eingemeindung zur Gemeinde Karlskron:
1978-2002 Benno Walter
seit 2002 Friedrich Kothmayr
Gesellschaftliches Leben, wichtige Ereignisse und Maßnahmen im Überblick
1951
Der Männergesangsverein „Eintracht“ Pobenhausen wird gegründet und weiht im Jahr darauf festlich seine Fahne auf dem Kalvarienberg.
1954
Die Pfarrei Pobenhausen verliert seinen eigenen Seelsorger.
1955
Die Gemeinde errichtet im Ortsmittelpunkt einen Feuerlöschteich.
1956
Die Katholische Pfarrkirche St. Quirinus wird außenrenoviert.
1958-1964
Beginn der Ortskanalisation und Asphaltierung der Straßen.
1958-1963
Durchführung der Flurbereinigung.
1959
Der Veteranen- und Kriegerverein Pobenhausen begeht das 50-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe auf dem Kalvarienberg und im Festzelt auf dem Kraus-Anwesen.
1960
Der Schützenverein „Hubertus“ Pobenhausen wird gegründet.
1966/67
Die Kalvarienbergkirche wird innen und außen renoviert.
1967
Der bisherige Friedhof um die Pfarrkirche wird aufgelöst und ein neuer Gemeindefriedhof am Fuße des Kalvarienbergs angelegt. Der neue Friedhof wird im Jahre 1977 neben dem von Schrobenhausen, vom Bezirksverband für Landesschau und Gartenpflege, im Rahmen des Wettbewerbs „Grüner Friedhof“ mit dem 2. Preis ausgezeichnet.
Ausbau der Ortsstraßen: Kalvarienbergstraße, Erlenweg und „Am Bachl“.
Ausweisung des Baugebietes Pobenhausen Süd mit insgesamt 11 Bauparzellen.
Anlegung eines Kinderspielplatzes, der in den darauf folgenden Jahren zwei Mal wegen seiner kinderfreundlichen Ausstattung und seiner idealen Lage bei verschiedenen Wettbewerben ausgezeichnet wurde.
Die örtliche Schule bildet mit der Schule von Adelshausen einen „Schulverband“ bzw. Schüleraustausch.
Die Raiffeisenbank Pobenhausen wird aufgelöst und an die Raiffeisenbank Hohenried angeschlossen. Als Zweigstelle bleibt Pobenhausen erhalten.
Der Diözesanbischof Dr. Josef Stimpfle weilt nach der umfangreichen Innen- und Außenrestaurierung der Wallfahrtskirche am Pfingstmontag 1967 auf dem Kalvarienberg unter den zahlreichen Gläubigen und hält die Festpredigt. Etwa 6000 Wallfahrer sind an diesem Tag zur Mutter Gottes auf den Kalvarienberg gepilgert.
1969
Die Schule in Pobenhausen wird aufgelöst und in den Schulverband Karlskron eingegliedert.
Im Baugebiet Pobenhausen Süd wird die Kanalisation durchgeführt und an das bestehende Ortsnetz angeschlossen.
1970
Die Gemeinde errichtet für die Feuerwehr einen Schlauchtrockenmast neben dem Feuerwehrgerätehaus.
Die Feuerwehr erhält einen Geräteanhänger.
1972
Eine neue zweimanualige Pfeifenorgel mit elf Registern aus der Orgelbauwerkstätte Max Offner, Augsburg-Kissing, wird in der Pfarrkirche installiert.
1973
Der 1. Bauabschnitt zum Ausbau der Ortsstraßen führt den Abbruch der alten Friedhofsmauer und die Zurücksetzung der neuen Stützmauer nach sich. Durch diese Maßnahme geht ein lang gehegter Wunsch des Straßenbauamtes Ingolstadt in Erfüllung, da dadurch eine gefährliche Engstelle beseitigt wurde.
1974
Das Kriegerdenkmal im ehemaligen Friedhof neben der Pfarrkirche wird neu gestaltet und eine große Innenrenovierung der Pfarrkirche wird durchgeführt.
Die Ausfahrt am Feuerwehrgerätehaus an der Schrobenhausener Straße wird aus Sicherheitsgründen an die Ostseite verlegt.
1975
Zum Jahresbeginn werden die eingelegten Grundstücke im Baugebiet Pobenhausen „Nord-Ost“ im Rahmen eines Umlegungsverfahrens neu zugeteilt. Der Bebauungsplan bzw. das Baugebiet umfasst 28 Bauplätze.
Im Baugebiet „Süd“ werden, nachdem bereits einige Neubauten erstellt worden sind, die Straßen ausgebaut und asphaltiert.
1976
Die Gemeinde kann ein geeignetes Grundstück eintauschen und darf darauf eine biologische Kläranlage errichten. Die Kläranlage wird notwendig, da sonst keine neuen Bauvorhaben genehmigt werden.
1977
Im gesamten Ortsbereich wird der Mühlbach reguliert.
Bei Straßenbaumaßnahmen im Baugebiet „Nord-Ost“ im Jahre 1977 und beim Aushub für einen Wohnhausneubau im Jahre 1978 werden jeweils ein einschneidiges Sachsschwert aus dem 6. Jahrhundert gefunden bzw. ausgegraben. Diese Funde lassen auf die frühbajuwarische Ansiedlung in Pobenhausen schließen. Die Begrabenen waren vermutlich noch Heiden, da bei den Christen solche Grabbeigaben verboten waren.
1978
Infolge der bayerischen Gemeindereform (sog. Gebietsreform) endet zum 30. April 1978 die Selbständigkeit der Gemeinde Pobenhausen. Die Gemeinde wird als Gemeindeteil in die Einheitsgemeinde Karlskron eingegliedert. Der Ortsteil Pobenhausen zählt zu diesem Zeitpunkt 398 Einwohner. Die Flur Pobenhausen umfasst 781,61 ha.
Die Jugendwallfahrt zum Kalvarienberg Pobenhausen zu Christi Himmelfahrt etabliert sich neben der traditionellen Pfingstmontagswallfahrt.
1980
Die Katholische Pfarrkirche St. Quirinus erhält einen neuen Außenanstrich, wobei auf die ursprüngliche Farbgebung ein besonderer Wert gelegt wird.
Ein gebrauchter VW LT 35 Kastenwagen wird von der Gemeinde erworben und von den Feuerwehrmännern in vielen Stunden Eigenleistung zu einem Feuerwehrfahrzeug TSF umfunktioniert. Das Fahrzeug löst den bisherigen Tragkraftspritzen-Anhänger TSA 8 ab. Der Mühlbachweg und der Hüttenweg werden ausgebaut und asphaltiert.
1981
Der Schützenverein „Hubertus“ Pobenhausen schafft sich, nachdem ein Schießbetrieb in der früheren Gastwirtschaft Graßl nicht mehr möglich ist, mit viel Eigenleistung im ehemaligen Schulhaus ein neues Domizil.
1982
Das ehemalige Schulhaus, jetzt Schützenheim, wird mit einem Kostenaufwand von 76.000,- DM außenrenoviert.
Die Straße zur Kalvarienbergkirche wird asphaltiert.
Die Freiwillige Feuerwehr Pobenhausen begeht das 100-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe auf dem Kalvarienberg.
1983
Im neuen Baugebiet „Am Bachl I“ werden 11 Bauplätze ausgewiesen.
Die Wallfahrtskirche auf dem Kalvarienberg wird mit einer neuen Pfeifenorgel aus der Orgelbauanstalt Max Offner, Augsburg-Kissing ausgestattet.
1984
Der Gartenbauverein Pobenhausen wird gegründet.
1985
Als Ersatz für den durch die Baugebietsausweisung „Am Bachl I“ aufgegebenen Bolzplatz wird auf einem angepachteten Grundstück nordöstlich von Pobenhausen ein Bolzplatz angelegt.
Der Schützenverein „Hubertus“ Pobenhausen feiert sein 25-jähriges Vereinsbestehen mit Fahnenweihe auf dem Kalvarienberg.
1986
Das Vereinsleben in Pobenhausen wird durch den neu gegründeten Verein „Sportfreunde Pobenhausen e. V.“ gestärkt.
Der Arnbach in Pobenhausen wird bei dem Wettbewerb „Naturnahe Gewässer“ Landkreissieger. Der Preis wird in Kulmbach überreicht.
1987
Sintflutartige Niederschläge im Gebiet nordöstlich von Schrobenhausen verursachen auch in der Flur Pobenhausen enorme Schäden. Die Staatstraße 2044 in Richtung Brunnen ist aufgrund der Überflutungen und Schlammablagerungen nicht passierbar und muss gesperrt werden.
Geistlicher Rat Sebastian Wolf verabschiedet sich aus Altersgründen nach 23 Jahren Vikarzeit von der Pfarrei Pobenhausen. Die Nachfolge tritt Pfarrer Alfred Fottner an.
1987/88
Neubau des Feuerwehrhauses Pobenhausen in der Neuburger Straße.
1988
300 Jahre Wallfahrt auf dem Kalvarienberg von Pobenhausen.
1991-1993
Die Wallfahrtskirche auf dem Kalvarienberg wird mit einem Kostenaufwand von ca. 830.000,- DM grundlegend saniert. Für ca. 55.000,- DM werden die Gruftfiguren aufwändig restauriert.
1992
Pfarrer Alfred Fottner verabschiedet sich von der Pfarrei Karlskron und seinen Vikarstellen Adelshausen und Pobenhausen.
Zugleich wird Pater James Purathail als Seelsorger in sein Amt eingeführt.
1993/94
Das Schützenheim Pobenhausen wird mit einem Kostenaufwand von ca. 160.000,- DM renoviert. Die Dachhaut wird erneuert, das Gebäude erhält eine Heizung und die Sanitäranlagen werden grundlegend saniert.
1994
Der Gartenbauverein Pobenhausen feiert sein 10-jähriges Jubiläum am Feuerwehrhaus.
1994-1997
Die Kanalisation in Pobenhausen, Adelshausen und Aschelsried (Einrichtungseinheit) wird umfangreich mit einem Kostenaufwand von ca. 3 Mio. DM saniert. Von den Grundstückseigentümern erhebt die Gemeinde für diese Maßnahme Ergänzungsbeiträge in Höhe von ca. 2,3 Mio. DM.
1995/96
Das Baugebiet „Am Bachl I“ wird durch die Baugebietsausweisung „Am Bachl II“ nach Westen erweitert. Es werden 18 weitere Bauparzellen geschaffen.
1996
Erzbischof Dr. Josef Stimpfle zelebriert nach 29 Jahren ein weiteres Mal den Pfingstmontagsgottesdienst auf dem Kalvarienberg.
Die Sportfreunde Pobenhausen begehen das 10-jährige Gründungsjubiläum in festlichem Rahmen auf dem Kalvarienberg. Erstmals findet die Rockparty „Rock am Berg“ statt, welche viele Jugendliche aus der Umgebung in den Bann zieht.
1998
Weihbischof Rudolf Schmid besucht die Pfarrei Pobenhausen am Pfingstmontag und hält die Festpredigt beim Wallfahrtsgottesdienst.
1998/99
Im Zusammenhang mit der Kanalisation des Ortsteils Probfeld mit Anschluss an die Pobenhausener Kläranlage, wird die bestehende Teichkläranlage um zwei weitere Schönungsteiche erweitert und so von bisher 499 Einwohnerwerten auf nun 999 Einwohnerwerte ausgebaut.
1999
Der Feuerwehrkeller Pobenhausen wird für die Jugend der Feuerwehr eingerichtet.
2000/01
Pobenhausen erhält Radwege entlang der Staatsstraße 2044 nach Karlskron sowie entlang der Staatsstraße 2048 nach Probfeld.
2001
Der Männergesangsverein „Eintracht“ Pobenhausen kann auf 50 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Mit der Party „Rock am Berg 2“ der Freiwilligen Feuerwehr Pobenhausen beginnen die dreitägigen Festlichkeiten des Gesangsvereins.
Am Pfingstmontag können die Pfarrgemeinde und die zahlreichen Wallfahrer Diözesanbischof Dr. Viktor Josef Dammertz als Festprediger begrüßen.
2002
Das alte Feuerwehrfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Pobenhausen, ein VW Kastenwagen Baujahr 1976, wird durch ein neues TSF-W, ein Mercedes-Benz 614 D Vario mit Ziegler-Aufbau, ersetzt. Mit dem neuen Fahrzeug und der umfangreichen Ausrüstung wie Wassertank, Schnellangriffsausrüstung sowie Atemschutz, ist die Pobenhausener Wehr feuerwehrtechnisch hervorragend ausgestattet.
2002/03
Die ehemalige Benefiziatenwohnung am Kalvarienberg wird mit einem Kostenaufwand von ca. 300.000,- Euro innen instandgesetzt. In den sanierten Räumlichkeiten richtet der Orden „Little Flower Congregation“ eine Klosterniederlassung ein.
2003
Der damalige Eichstätter Bischof Walter Mixa hält die Pfingstpredigt auf dem Kalvarienberg, bei welcher friedliche Demonstrationen hinsichtlich der Suspendierung von Pfarrer Kroll einhergehen.
Mit einem dreitägigen Fest feiert die Freiwillige Feuerwehr Pobenhausen ihr 125-jähriges Gründungsfest. Der fetzigen Rockparty „Rock am Berg 3“ folgt am Festsamstag eine fulminante Schlagernacht mit etlichen Stars der volkstümlichen Musik. Der Sonntag ist geprägt vom festlichen Gottesdienst und einem prächtigen Festumzug.
2004
In einem festlichen Gottesdienst weiht Diözesanbischof Viktor Josef Dammertz den neuen von Bildhauer Karl-Heinz Torge aus Ried geschaffenen Volksaltar mit Ambo. In den neuen aus Muschelkalk gefertigten Altar werden Reliquien des Diözesanpatron Hl. Simpert sowie unbekannter heiliger Märtyrer eingebracht. Mit dem neuen Volksaltar ist auch der Chorraum neu gestaltet und der Taufstein versetzt worden. Die Pfarrangehörigen brachten hierfür Spenden in Höhe von ca. 26.000,- Euro auf.
2006
Der im Rahmen des EU-Förderprogramms „LEADER Plus“ geschaffene Pilgerweg vom Haus im Moos in Kleinhohenried zur Wallfahrtskirche auf dem Kalvarienberg wird seiner Bestimmung übergeben. Der ca. 5,6 km lange „Donaumoos-Erlebnispfad“ wurde für ca. 13.200,- Euro angelegt.
2007
In diesem Jahr haben die Sportfreunde Pobenhausen doppelten Grund zu feiern. Der Verein begeht sein 20-jähriges Jubiläum mit einem zweitägigen Fest. Das Rahmenprogramm beinhaltet die Party „Rock am Berg“, welche mittlerweile zum fünften Mal stattfindet.
Seit der Vereinsgründung haben die Sportfreunde vehement darauf gedrängt, dass für den im Zusammenhang mit der Baugebietsausweisung „Am Bachl I“ aufgegebenen alten Bolzplatz wieder ein Sportplatz auf gemeindeeigenem Grund errichtet wird. Nachdem die Gemeinde Karlskron nach langwierigen Grundstücksverhandlungen im Zuge eines Grundstückstausches ein geeignetes ortsnahes Grundstück erwerben konnte, wird dieser langersehnte Wunsch realisiert und die „Sportfreunde Arena“ mit der Einweihung seiner Bestimmung übergeben.
Der Maibaum aus Pobenhausen wird zum Schönsten im Landkreis gekürt und zieht die im Folgejahr durchgeführte Krönung der Maikönigin nach sich.
Jugendliche Pobenhausener richten sich mit der Holzhütte „Bochstüberl“ am Arnbach einen neuen Treffpunkt ein.
2008
Mit einem Kostenaufwand von rund 440.000,- Euro wird die Katholische Pfarrkirche St. Quirinus außen instandgesetzt. Im Rahmen dieser Außenrenovierung muss man den schlechten Zustand der alten Stahlglocken feststellen. Kurz entschlossen stiften die Pobenhausener dann in einer von großer Spendenbereitschaft getragenen Gemeinschaftsaktion für ca. 100.000,- Euro ein komplett neues Geläut aus vier neuen Bronzeglocken.
Pater James Purathail verabschiedet sich nach 16 Jahren seelsorgerischen Wirkens von der Pobenhausener Pfarrei, um in seiner Heimat Kerala in Indien neue Aufgaben zu übernehmen.
Sein Nachfolger, Pater Johnson Varakaparambil stammt ebenfalls aus Kerala/Indien und ist ebenso Mitglied des Ordens „Little Flower Congregation“.
Weihbischof Anton Losinger feiert mir den Ortsgeistlichen und über 2000 Wallfahrern den Festgottesdienst am Pfingstmontag auf dem Heiligen Berg.
Die Bayerische Maikönigin 2008/2009 Katharina I. wird auf dem Kalvarienberg feierlich gekrönt.
2009
Der Gartenbauverein Pobenhausen feiert sein 25-jähriges Gründungsfest.
Die Restaurierung des Kreuzweges zum Kalvarienberg wird nach zwei Jahren und einigen Querelen mit dem Denkmalschutzamt abgeschlossen. Sechs der insgesamt 14 Stationen-Bilder verbleiben in der 2008er Restaurationsfassung von Jakob Rusch, die übrigen acht von Rudolf Böhm in den 1950er Jahren gemalten Fassungen wurden, der Vorgabe des Amtes folgend, von einem Kirchenmaler restauriert.
2005-2010
In einem Flurneuordnungsverfahren Pobenhausen II wird der nordwestliche Bereich der Pobenhausener Flur (nördlich der Staatstraße 2044 und westlich der Staatsstraße 2048), der in der ersten Flurbereinigung in den Jahren 1958-1963 ausgenommen war, neu geordnet. Wegen der großen Zersplitterung in den Besitzverhältnissen (der überwiegende Teil der Flurstücke wies Flächengrößen von lediglich ca. 1 Tagwerk auf) war es für die noch praktizierenden Landwirte sehr schwierig geworden, betriebswirtschaftlich vernünftige Flächengrößen zu erreichen. Durch die Zusammenlegung von eigenen und gepachteten Flächen sollten die Bewirtschaftbarkeit verbessert und Möglichkeiten zur Bildung größerer zusammenhängender Weideflächen geschaffen werden. Die Gemeinde Karlskron legte großen Wert auf die Trassierung einer künftigen Ortsumfahrung in diesem Bereich.
2010
Mit einem viertägigen Fest feiern die Hubertusschützen und der Kriegerverein gemeinsam ihr 50- bzw. 100-jähriges Gründungsfest. Der mittlerweile achten Ausgabe der Rockparty „Rock am Berg“ folgen am Festfreitag ein Konzert der Klostertaler im Rahmen ihrer Abschiedstournee und am Festsamstag ein Ehrenabend der Gemeinde. Der Sonntag gehört den über 90 Gastvereinen und ist gezeichnet von einem festlichen Gottesdienst und einem beeindruckenden Festumzug.
Auf dem Kalvarienberg nimmt in der Wallfahrtskirche die Konzertreihe „Festliche Konzerte“ an vier aneinander folgenden Sonntagen im Frühsommer Einzug in das kulturelle Leben der Pfarrgemeinde und wird seither alljährlich in dieser Form fortgeführt.
Der neue Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft, Pater Dr. Georg Kalladanthiyil, wird im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger, Pater Johnson Varakaparambil, verlässt nach zwei Jahren hauptamtlicher Leitung die Pfarrgemeinde, um sich in Aitrang im Allgäu neuen Aufgaben zu widmen.
Das staatliche Bauamt Ingolstadt führt mit dem Bau eines 2,8 km langen Geh- und Radweges entlang der Staatsstraße 2044 zwischen Pobenhausen und Brunnen eine weitere Erschließung des Radwegenetzes fort. Im Jahre 2012 wird auch die letzte Ausbaustufe zwischen Kaltenherberg und Brunnen vollendet und somit eine komplette Trassierung für Radfahrer und Fußgänger zwischen Ingolstadt und Schrobenhausen erreicht.
2011
Die Sportfreunde Pobenhausen feiern mit einer Rockparty und einem Tanzabend mit den „Blauen Jungs“ ihr 25-jähriges Bestehen auf dem Kalvarienberg.
Mit dem Start der Sanierungsmaßnahmen am ehemaligen Schulgebäude (Schützenheim) im April 2011 und dem Spatenstich für den Anbau an das bestehende Gebäude im Oktober 2011, nehmen die achtjährigen Planungen für das neue Bürgerhaus Pobenhausen konkrete Züge an. Ein Trägerverein, der alle örtlichen Vereine und Gruppierungen mit einbezieht, wird im April 2011 gegründet. Die für den Neubau und den Parkplatz erforderliche Fläche aus dem Pfarrhofgarten wird im Juni 2011 durch die Gemeinde Karlskron von der katholischen Pfarrpfründestiftung St. Quirinus erworben.
Ein privater Investor aus München beginnt mit der aufwändigen Sanierung des historischen Pfarrhofes bei der Pfarrkirche St. Quirinus. Das denkmalgeschützte Gebäude soll nach der Fertigstellung dem Bauherrn als Wohnhaus dienen.
2012
Mit der Erschließung des Baugebietes „Pobenhausen Süd-West“ stehen nun vornehmlich Einheimischen 38 Bauparzellen auf einer Fläche von 4,6 Hektar zur Verfügung.
Bischof Dr. Konrad Zdarsa aus Augsburg zelebriert vor weit über 2500 Pilgern den Pfingstmontagsgottesdienst zur Wallfahrt auf dem Kalvarienberg.
Mit dem Wiedereinzug in die Pfarrkirche St. Quirinus zum Patrozinium, wird das offizielle Ende der Sanierungsmaßnahmen gefeiert. Nach dem Abschluss der Außenrenovierung im Herbst 2008 konnten nun auch die im Herbst 2010 begonnenen Arbeiten an den Außenanlagen und die im Frühjahr 2011 gestartete Innenrenovierung vollendet werden. Die Gesamtkosten der Kirchensanierung beliefen sich auf rund 1,1 Mio. Euro, wovon die Pfarrgemeinde Pobenhausen Eigenkapital in Höhe von 473.000,- Euro und Eigenleistungen von rund 18.000,- Euro aufbrachte.
Der Gartenbauverein Pobenhausen errichtet mit Unterstützung der Gemeinde an der Bachbrücke „Am Bachl“ einen Wasserspielplatz. Der seit jeher von der Jugend an heißen Tagen genutzte Auslauf des Arnbaches wurde mit Steinen umrahmt und begrünt.
2013
Mit einem Festakt wird das baulich 2012 fertiggestellte neue Bürgerhaus und Pilgerzentrum als „Haus der Begegnung“, mit Schützenheim im Keller des Neubaus, feierlich seiner Bestimmung zugeführt. 24 Jahre nach dem Ende der letzten örtlichen Gastwirtschaft, steht dem Dorfleben ein neuer gesellschaftlicher Mittelpunkt zur Verfügung. Das 1,2 Mio. Euro Projekt dient somit nicht nur Ortsvereinen als neue Unterkunft, sondern auch Pilgern als Anlaufpunkt, sowie Bürgern als Versammlungsstätte für Anlässe offizieller oder auch privater Natur.
Der Gemeindeteil Pobenhausen ist inzwischen auf 607 Einwohner angewachsen.
Kirchengeschichte von Pobenhausen
Die Pfarrkirche St. Quirin um das Jahr 1910. Das Maibaumaufstellen, hier noch auf der Kirchanhöhe, wurde schon zu dieser Zeit gepflegt. Heute versieht die örtliche Freiwillige Feuerwehr alljährlich diesen Brauch.
Die Pfarrkirche St. Quirin
1345
Die Liste der Pfarrer von Pobenhausen lässt sich lückenlos bis 1345 zurückverfolgen, so dass davon auszugehen ist, dass die Ortskirche bereits zu diesem Zeitpunkt bestanden hat. Der damalige Pfarrer hieß Chunrat, Leonhards Sohn.
Die Pfarrkirche St. Quirin um das Jahr 1910. Das Maibaumaufstellen, hier noch auf der Kirchanhöhe, wurde schon zu dieser Zeit gepflegt. Heute versieht die örtliche Freiwillige Feuerwehr alljährlich diesen Brauch.
1361/1379
Bischof Marquard von Augsburg inkorporiert im Kloster Niederschönenfeld am 14. Mai 1361 die Pfarrkirche Pobenhausen mit all ihren Einkünften. Kardinal Pileus in Worms bestätigt diese Inkorporation (Eingliederung) durch eine Urkunde am 25. August 1379.
1690
Gründung der Rosenkranzbruderschaft der Pfarrkirche Pobenhausen am 8. Januar 1690.
1749
Abriss der damals baufälligen Kirche mit Ausnahme des Chores und des Untergeschosses des Turmes. Die alte gotische Kirche ist bei Michael Wening in seinem Kupferstich von 1701 abgebildet.
1749-1751
Wiederaufbau der Kirche mit neuem Achteckbau, welcher den markanten Zwiebelturm empor bringt.
1810-1814 und 1848
Diverse Umbauten in Form von Umgestaltungen und Reparaturarbeiten an der Kirche.
1866
In diesem Jahr werden von der Gussfirma Eduard Becker aus Ingolstadt drei neue Glocken eingesetzt. Aus diesem Jahr datiert auch die noch heute gültige Läutordnung der Pfarrei Pobenhausen.
1920
Es werden vier neue Glocken aus Stahlguss bei Fa. Schilling & Lattermann aus Thüringen angeschafft, nachdem zwei der drei Bronzeglocken im 1. Weltkrieg abgeliefert werden mussten und die Dritte im Zuge der Neuanschaffung veräußert wurde. Die neue Große Glocke „St. Ludwig“ trägt die Aufschrift von 14 Gefallenen des Weltkrieges.
1927
Anbringen der weithin sichtbaren Kirchenuhr durch die Fa. Hörz aus Ulm.
Das Denkmalschutzamt München führt Renovierungsarbeiten im Innenraum durch und malt den aus historischer Sicht falschen heiligen Quirin von Neuss an die Chordecke. Der richtige Heilige ist der auf dem Altarbild wiedergegebene heilige Quirin von Tegernsee.
1939
Pfarrer Franz Xaver Prim legt zum ersten Mal eine Friedhofsordnung vor.
Die Wallfahrtskirche auf dem Kalvarienberg
Um 1668
Es entstehen die Legenden, die später zur Einrichtung der Wallfahrt zum Kalvarienberg führen.
1688
Am 16. April 1688 lässt der damalige Pfarrer Mathias Holzapfel dort, wo zwei Pobenhausener Mädchen der Legende nach eine wunderhafte Erscheinung gehabt haben sollen, drei Kreuze errichten. Aus dem einstmaligen „Geisberg“ wird der „Kalvarienberg“, auf den von Jahr zu Jahr mehr Wallfahrer pilgern, die von gemeldeten Wundern und auch von den dort abgehaltenen Passionsspielen angezogen werden.
1689
Seit diesem Jahr finden auf dem Kalvarienberg kleine Passionsvorstellungen statt, welche aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden.
1691
Freiherr Andreas Thiemo von Gumppenberg aus Pöttmes stiftet 2.000 fl. und holt die Erlaubnis von dem damaligen Gutsbesitzer, Freiherr Marquard von Pfetten, ein. Am 30. Juni 1691 wird in einer großen Feierstunde durch den Patrimonialrichter des Freiherrn von Pfetten, Friedrich Noder, der Grundstein zum Bau der Kirche mit Eremitorium gelegt.
1692
Die Einweihung der Kirche wird in diesem Jahr vorgenommen, allerdings verzögert sich die Fertigstellung aufgrund des Mangels an ausreichenden Mitteln.
1694
Erst in diesem Jahr wird von der Fertigstellung der Kirche berichtet.
1698
Die Holzfigur der schmerzhaften Mutter Gottes, welche auch die Zentralfigur der Wallfahrt darstellt, wird auf den Hochalter gestellt. Eremitenwohnung und Kapellen erbaut man in den folgenden Jahren und gräbt die Gruft.
1701-1748
Während des Spanischen Erfolgekrieges und der damit verbundenen Besetzung Bayerns von 1701 bis 1714 sowie der Zeit des Österreichischen Erfolgekrieges von 1740 bis 1748, kommt die Wallfahrt in Pobenhausen fast zum Erliegen.
1764
Erst als Papst Clemens XIII. einen achttägigen vollkommenen Ablass auf sieben Jahre verleiht, erfährt die Wallfahrt einen erneuten Aufschwung. Daraufhin erfolgt an Pfingsten des Jahres 1764 eine große feierliche Prozession, in der Pfarrer Kaspar Kopp den päpstlichen Gnadenbrief in die Wallfahrtskirche geleitet.
Pfarrer Strobl schätzte die während der neuntägigen Feierlichkeiten anwesenden Wallfahrer auf 20.000, sowie etwa 12.300 Kommunikanten.
1766
Am 10. Oktober 1766 stiftet Freiherr Franz Ignaz von Pfetten das Benefizium (Einkommen) für einen ständigen Geistlichen auf dem Kalvarienberg, was die wirtschaftliche Situation der die Wallfahrt betreuenden Benefiziaten nachhaltig verbessert.
1776
Der heutige Hauptaltar, der aus der Werkstatt des Kunstschreiners Johann Anton Wiest aus Schrobenhausen stammt, wird zu Pfingsten diesen Jahres errichtet.
1804/1811
In der Zeit der Säkularisation, der viele Kirchen zum Opfer fallen, steht die Wallfahrtskirche im Jahre 1804 erstmals auf der Liste der abbruchreifen Gotteshäuser. Am 1. Mai 1811 erhebt Josef Marquard von Pfetten Einspruch, so dass das Benefizium ein weiteres Mal in seinen Rechten und somit auch die Wallfahrtskirche unangetastet bleibt.
1825
Nachdem die Wallfahrtskirche nicht zu übersehende Anzeichen der Baufälligkeit trägt, lässt Freiherr Joseph Marquard von Pfetten diese erweitern und renovieren. Die Benifiziatenwohnung wird in den Südteil verlegt, was der Wallfahrtskirche ihre bis heutige Gestalt verleiht.
1858
Der steinsäulige Kreuzweg mit 14 Stationen wird an dem damals einzigen Zugangsweg zur Wallfahrtskirche angelegt und ersetzt die in den Jahren zuvor abgerissenen Kappellen.
1874
In unmittelbarer Nähe zum Hauptaltar werden zwei barocke Seitenaltäre aufgestellt, die aber bei der großen Innenrenovierung 1966 wieder entfernt werden.
1914-1918
Der Besuch der Wallfahrtsstätte bleibt auch über die Jahre des 1. Weltkrieges erhalten. Die beiden in den Jahren 1706 und 1753 in Ingolstadt gegossenen Glocken werden, im Gegensatz zu jenen in der Pfarrkirche, aufgrund ihres hohen Alters verschont.
1924-1950
Nach dem Abzug des letzten Benefiziaten Edmund Spahn vom Kalvarienberg im Jahre 1924 wird das Benefizium nicht mehr von einem Geistlichen besetzt. Die Betreuung der Wallfahrt wird von dem jeweiligen Pfarrer der Pfarrei Pobenhausen übernommen.
Die schwierigen Nachkriegsjahre und das verwaiste Benefizium lassen auch den Zustrom der Wallfahrer abflauen. Die Zeit der Nationalsozialisten 1933 bis 1945, die überaus kirchenfeindlich eingestellt ist, tut ein Übriges dazu.
Um 1940
werden die Glocken, dieses Mal im Gegensatz zu denen in der Pfarrkirche, zum Einschmelzen nach Hamburg geliefert, wo sie allerdings nach dem Krieg wieder unversehrt aufgefunden werden. Im Jahre 1950 werden sie mit einem Festwagen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wieder auf den Kalvarienberg gebracht.
Seit 1950
Die Zahl der Wallfahrer auf den Kalvarienberg erholt sich in der Nachkriegszeit zusehends rasch und die Pfingstwallfahrt nach Pobenhausen und die später eingeführten Fastenfreitage sind bis zum heutigen Tag immer noch ein obligatorisches Ritual für viele Pilger umliegender Gemeinden.
Dissertation von Dr. Hans Perlinger
Herr Dr. Hans Perlinger aus Weichering hat nach Abschluss seiner wissenschaftlichen Arbeit über die Dorfgeschichte von Pobenhausen seine Dissertation in Form einer CD an die Gemeinde Karlskron übergeben.
Bei dieser Übergabe gratulierte 1. Bürgermeister Kothmayr Herrn Dr. Perlinger zu seiner Promotion und sprach ihm im Namen der Gemeinde Karlskron für seine umfassende und beeindruckende Dissertation über den Ort Pobenhausen Dank und Anerkennung aus.
Diese wissenschaftliche Arbeit in einem Umfang von drei Bänden stellt eine enorme Bereicherung für das Gemeindearchiv dar.
Nachdem Herr Dr. Perlinger das Werk allen interessierten Pobenhausener Bürgern zugänglich machen und zur Verfügung stellen will, hat die Gemeinde Karlskron CD´s mit den Dateien der drei Bände (PDF-Dateien) erstellen lassen, die zum Erstellungspreis in Höhe von 13,50 € im Rathaus erworben werden können.
Die Geschichte des Kalvarienbergs
Um 1668 entstehen Legenden über den Berg und allmählich wird aus dem befestigten Aussichtspunkt ein Wallfahrtsort.
Die Legende erzählt: Im Jahre 1668 gingen zwei etwa 18-jährige Mädchen von Pobenhausen auf den Kalvarienberg, damals noch Geisberg genannt, zum Grasschneiden. Plötzlich soll die eine, Margaretha Seydelmeyer, ein schönes Kindlein mit einem Lämmlein, das von Wölfen verfolgt wurde, gesehen haben. Als sie diese Erscheinung ihrer Gefährtin gezeigt habe, sei alles aus ihren Augen verschwunden. Beide Mädchen seien dann eiligst in das Dorf zurückgekehrt und hätten in großer Aufregung von der Erscheinung erzählt, worauf heilige Ehrfurcht vor diesem Berg alle Bewohner der Gegend erfasste.
Pfarrer Holzapfel lässt 1688 an dieser Stelle drei Kreuze errichten. Aus dem einstmaligen „Geisberg“ wird der „Kalvarienberg“, auf den von Jahr zu Jahr mehr Wallfahrer pilgern, die von gemeldeten Wundern und auch von den dort abgehaltenen Passionsspielen angezogen werden.
1691 wird der Grundstein zu einer Kirche mit drei Altären gelegt
1694 wird der Bau vollendet
1698 stellt man das große Vesperbild, die geschnitzte Figur der schmerzhaften Muttergottes, auf den Hochaltar
1701 gewährt Papst Clemens XI. einen vollkommenen Ablaß
Während des Pandurenkrieges kommt die Wallfahrt gänzlich zum Erliegen, hat doch die Kirche zu jener Zeit keinen Priester. In der Säkularisation steht das Wallfahrtskirchlein bereits auf der Liste der abbruchreifen Gotteshäuser. Nachdem Freiherr von Pfetten Einspruch erhob, bleicht das Benefizium in seinen Rechten unangetastet.
Die Gnadenkapelle wird ausgebaut, und die Einsiedelei zu einer Benefiziatenbehausung erweitert.
1764 lebt die Wallfahrt wieder auf
1766 stiftet Freiherr von Pfetten das Benefizium für einen ständigen Geistlichen auf dem Kalvarienberg
Papst Clemens XIII. gewährt einen achttägigen Ablass für die Pfingstwoche, Pius VI. dehnt ihn aus für alle Wallfahrer, die während des ganzen Jahres ihren Weg auf den Berg finden. Die Schar der Pilger zum Kalvarienberg in Pobenhausen nahm immer mehr zu.
1988 feierte Pobenhausen das 300-jährige „Bergjubiläum“
Die Woche vom Pfingstmontag bis zum Dreifaltigkeitssonntag bürgerte sich als die der eigentlichen Wallfahrtstage ein. Noch heute kommen an diesen Tagen die Wallfahrer aus den umliegenden Gemeinden zu Fuß nach Pobenhausen. Später wurden dann die Fastenfreitage eingeführt, die ebenfalls bis heute gehalten wurden und von den Gläubigen geschätzt werden.
Am Fest Christi Himmelfahrt treffen sich alljährliche die Jugendlichen zu einem Wallfahrtsgottesdienst auf dem Kalvarienberg.
Vielleicht kennen Sie das HAUS im MOOS schon–es liegt nur rund sieben Kilometer von Karlskron entfernt. Aber möglicherweise herrscht ja auch bei Ihnen ein bisschen Verwirrung, was genau es nun eigentlich mit unserem Namen auf sich hat. Ist es nun das HAUS im MOOS oder die Stiftung Donaumoos? Ein Freilichtmuseum oder eine Umweltbildungsstätte, oder gar eine Umweltstation? Und was ist eigentlich der Unterschied?
Damit Sie Ihr HAUS im MOOS–denn Sie als Bewohner von Karlskron gehören durch Ihre Gemeinde zu den Trägern des HAUS im MOOS–besser kennenlernen, hatte Karlskrons 1. Bürgermeister Stefan Kumpf, der aktuell auch Vorstandsvorsitzender des HAUS im MOOS ist, die schöne Idee zu der Reihe „Geschichten aus dem Moos“. Hier in wollen wir anhand unterschiedlichster kleiner Geschichten die große Geschichte des Donaumooses erzählen. Und da auch das HAUS im MOOS zu diesem Zweck gegründet wurde, macht die Entstehungsgeschichte des Hauses den Anfang in dieser Reihe.
Auf der Suche nach einem Ort für die Schätze des Donaumoos 1982 gründete sich der Kulturhistorische Verein Donaumoos (KHV). In kurzer Zeit trugen die Mitglieder eine beeindruckende Sammlung von Alltagsgegenständen zusammen, die die Besiedlungsgeschichte des Donaumoos lebendig machen. Bald entstand der Wunsch, diese Schätze öffentlich zu zeigen – nicht in einem gewöhnlichen Museum, sondern in einem Freilichtmuseum. Das Konzept: historisch
e Bauernhöfe aus dem Donaumoos sollten am Originalstandort abgebaut, auf einem Museumsgelände wieder aufgebaut und originalgetreu eingerichtet werden. 1989 gründeten der Landkreis, die drei Donaumoos-Gemeinden Karlskron, Karlshuld und Königsmoos sowie der KHV mit diesem Ziel den Zweckverband Freilichtmuseum Donaumoos.
Der erste Spatenstich
1993 trat der Bezirk Oberbayernbei, aus dem Zweckverband wurde der Errichtungs-Zweckverband und noch im selben Jahr erfolgte der erste Spatenstich. Zunächst entstand die schnurgerade Museumsstraße, typisch für ein Straßendorf im Donaumoos. Danach begann der Aufbau der ersten Häuser. Schonwährend der Bauphase reifte die Idee, das Angebot zu erweitern: Neben der Siedlungsgeschichte sollte auch Natur und Umweltbildung einen festen Platz bekommen. Dafür wurde der Bau eines zentralen Funktionsgebäudes beschlossen, das HAUS im MOOS getauft wurde. Von der Baustelle zur Stiftung 1996 begann der Bau des HAUS im MOOS und nur zwei Jahre später, am15. Mai 1998 konnte es feierlich eröffnet werden. In diesem Jahr wurde die Umweltbildungsstätte zur staatlich anerkannten Umweltstation. Dieser Titel wird vom Freistaat Bayern verliehen und muss regelmäßig erneuert werden. In den folgenden Jahren wurden auch die Häuser des Freilichtmuseums fertiggestellt: 1998 der Hofstetter-Hofaus Grasheim, im Jahr 2000 folgte der Öxler-Hof aus Kleinhohenried und ein Jahr später das Kanalhaus aus Grillheim. Seit 2002 ergänzt ein Hof aus Rosing, der als Museumsgaststätte genutzt wird, das Freilichtmuseum. Auch die östliche Seite der Museumsstraße wurde belebt: Sinnesstelen, ein Weidendorf, ein Aussichtshügel, Feuchtbiotope, ein Moor-Wasserspielplatz, ein Schilfpfad mit Schutzhütte und weitere Erlebnisstationen laden seitdem zum Entdecken der Natur mit allen Sinnen ein. 2003 wurde der Errichtungs-Zweckverband aufgelöst und ging vollständig in der Stiftung Donaumoos auf, die bis heute das Freilichtmuseum und die Umweltstation trägt.
Heute und Morgen
Heute können Sie im Freilichtmuseum den Alltag der Moosbauernum1900 hautnah erleben–und gleichzeitig steht bei allem, was wir tun, die Bildung für nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt. Der Name HAUS im MOOS steht mittlerweile für das gesamte Ensemble: Freilichtmuseum und Umweltstation. In Zukunft wollen wir beide Bereiche noch enger miteinanderverknüpfen. Wir haben viel vor–am besten, Sieschauen selbst vorbei und erleben es selbst.
Die Umweltstation HAUS im MOOS – grünes Zentrum und Veranstaltungs-Hotspot
Sie wissen ja bereits, dass das HAUS im MOOS neben dem Museum auch eine Umweltstation umfasst. Aber haben Sie auch schon gewusst, dass man hier auch übernachten kann? Die Umweltstation beinhaltet ein freundliches Tagungs- und Bildungszentrum mitsamt einer Übernachtungsmöglichkeit für Gruppen (38 Betten). Und das Beste: unsere Räume kann man zu moderaten Preisen buchen.
Öko-Vorzeigebau
Das markante Holzständer-Gebäude ist nicht nur architektonisch, ästhetisch und funktionell ein sehr gelungenes Gebäude. Das Bauprojekt war seinerzeit auch richtungsweisend in der ökologischen Bauweise. Gedämmt wurde mit reinen Naturstoffen: Baumwolle für die Wände, Schafwolle für die Warmwasserrohre und Isofloc-Kissen für das Dach. Ausgestattet von Anfang an mit PV- und Solaranlage wird Strom und Warmwasser aus Sonnenkraft erzeugt. Eine der ersten großen Hackschnitzelheizungen in Bayern sorgt für CO2-neutrale Wärme, die Toilettenspülung läuft mit Regenwasser und die hauseigene Schilfkläranlage reinigt die Abwässer. 2022 ist noch eine Elektro-Tankstelle für Autos und E-Bikes dazu gekommen.
Tierisch gut
Von Anfang an wurde
n große Flächen rund ums HAUS im MOOS für Weidetiere vorgesehen. Später zogen auch an den Museumshäusern Tiere ein. Seit 2003 steht angrenzend an das Freilichtmuseum die größte Wisentherde Bayerns – ein Pilotprojekt des Donaumoos-Zweckverbands, das eine wichtige Rolle in der Erhaltung der einstmals beinahe ausgestorbenen Tierart spielt. Aktuell fühlen sich hier viele Tierarten wohl: neben den Wisenten, Gänse, Hühner, Shetland-Ponys, Murnau-Werdenfelser-Rinder, Störche, und mehrere Bienenvölker.
Von Bibern, Jägern und Moorschützern
Das HAUS im MOOS ist ein grünes Kompetenzzentrum, das seinesgleichen sucht. Seit 1997 findet bei uns in Kooperation mit dem Bund Naturschutz in Bayern e.V. jährlich die „Fachtagung Bibermanagement“ statt. Weit über 100 Biberberater aus ganz Bayern und darüber hinaus informieren sich dort über die neuesten Erkenntnisse zum Biber. Ebenfalls seit vielen Jahren werden im HAUS im MOOS angehende Jägerinnen und Jäger von einer Jagdschule ausgebildet. Daneben wird in unseren Räumen viermal im Jahr die staatliche Jägerprüfung abgenommen. 2021 ist die Regionalstelle des bayerischen Artenschutzzentrums bei uns eingezogen. Von hier aus werden Moorschutz-Projekte in ganz Bayern auf den Weg gebracht und betreut.
Qualität? Ausgezeichnet!
Seit 2006 zeichnet das bayerische Umweltministerium Einrichtungen, die hochwertige Umweltbildungsarbeit leisten, mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ aus. Ziel ist die stetige Weiterentwicklung und Qualitätssteigerung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Darum findet alle drei Jahre eine ausführliche Prüfung statt, ob die hohen Ansprüche noch erfüllt werden. Wir können sehr stolz darauf sein, dass sich die Umweltstation HAUS im MOOS von Anfang an und durchgehend mit der Auszeichnung für hervorragende BNE-Angebote schmücken darf. Und das sind wir auch! Die Themenvielfalt unserer Angebote reicht von Biodiversität über nachhaltige Lebensstile bis hin zu Klimaschutz und bewusstem Konsum. Thematischer Schwerpunkt ist aber natürlich getreu unserem Leitspruch „Aus der Herkunft in die Zukunft“ die zukunftsfähige Entwicklung im Donaumoos. Wir informieren und bieten Raum für Diskussion und Austausch.
Klasse statt Masse im herbstlichen Moos
Bei uns ist das ganze Jahr über viel geboten: neben Bildungsprogrammen für Schulklassen und Kitas gibt es wechselnde Ausstellungen und eine Vielzahl an Veranstaltungen vom Fachvortrag bis zum Kindergeburtstag. Mehr als eine halbe Million Besucherinnen und Besucher waren schon bei uns zu Gast – wann waren Sie eigentlich zum letzten Mal im HAUS im MOOS? Ganz unter uns können wir Ihnen im Oktober besonders empfehlen: eine Wanderung durchs herbstliche Moos mit der ganzen Familie (03.10.), die kreative Herbstwerkstatt für Kinder (17.10.) oder den interaktiven Vortrag über die Schwierigkeit, sich von Dingen zu trennen (23.10., Eintritt frei). Herzlich willkommen!
Heute möchten wir Ihnen die Geschichte eines unserer Museumshäuser einmal anders erzählen – aus der Sicht einer Frau, die hier wirklich gelebt hat: Norbertha Öxler, geborene Heigl.
Der Öxler-Hof steht heute auf dem Gelände des HAUS im MOOS. Ursprünglich jedoch befand sich das Gebäude etwas weiter westlich die Straße hoch in Richtung Karlshuld. Als das alte Kolonistenhaus abgerissen werden sollte, wurde es gerettet, abgetragen und hier wieder aufgebaut. Es erzählt nicht nur von Balken, Ziegeln und Baugeschichte – sondern vor allem vom Leben seiner Bewohnerinnen und Bewohner.
Ein Schicksalsschlag
Norbertha wurde 1867 in Karlshuld geboren. Mit 23 Jahren heiratete sie Ludwig Öxler und zog auf den Hof ihres Mannes in Kleinhohenried – damals noch ein einfaches Holzhaus, erbaut vor 1828. Die Zeiten besserten sich dank einiger Reformen gerade etwas im Donaumoos.
Das junge Paar bekam innerhalb von zehn Jahren neun Kinder, doch nur zwei – Josef und Juliane – überlebten. Eine Schicksalserfahrung, die viele Familien jener Zeit teilten. Um 1898 begannen die Öxlers, ihr altes Holzhaus nach und nach abzureißen und durch ein solides Ziegelhaus zu ersetzen.
Doch kurz vor der Fertigstellung traf die Familie ein schwerer Schlag: Ludwig starb 1901 an einer Lungenentzündung – wenige Tage nach Weihnachten. Elf Tage später brachte Norbertha ihre Tochter Bertha zur Welt.
Mut, Arbeit und Neubeginn
Mit 35 Jahren stand Norbertha plötzlich allein da – mit einem halbfertigen Haus, drei kleinen Kindern und einem Hof, der versorgt werden musste.
Fünf Monate später heiratete sie erneut: Den sechs Jahre jüngeren Andreas Rusch aus Niederarnbach. Gemeinsam bewirtschafteten sie rund 30 Tagwerk Ackerland – mehr als zehn Hektar.
Auch ihr gemeinsames Leben war von harter Arbeit geprägt. Norbertha führte den Haushalt, kochte täglich bis zu fünf Mahlzeiten, versorgte Garten und Tiere, machte Lebensmittel haltbar und half zur Erntezeit auf dem Feld. 1907 bekam Norbertha ihr viertes Kind – die Tochter Maria. Insgesamt brachte sie innerhalb von 20 Jahren 15 Kinder zur Welt. Ihre Nachfahren berichten, dass sie trotz oder vielleicht gerade wegen dieses schweren Lebens eine resolute und patente Frau war, die sich nicht entmutigen ließ.
Das Leben im Öxler-Hof
Der Hof gehörte zu den wohlhabenderen im Moos. In der „guten Stube“ – mit Sofa, Kachelofen, Herrgottswinkel und Glasvitrine – zeigte man, was man hatte. Doch dort spielte sich der Alltag kaum ab. Das Herz des Hauses war die Küche, wo es dank des großen Herds immer warm war. Hier wurde gekocht, gegessen, gearbeitet, gelacht – und vielleicht auch mal geweint.
1919 übergab Norbertha den Hof anlässlich seiner Hochzeit an ihren Sohn Josef. Sie selbst und Andreas zogen zunächst in das ehemalige Kinderzimmer und schließlich nach Neuschwetzingen. Dort verbrachte sie ihren Lebensabend. Am 7. August 1941 starb Norbertha Öxler im Alter von 74 Jahren.
Ein Haus als Erinnerung
Heute steht der Öxler-Hof im HAUS im MOOS als stiller Zeuge dieses bewegten Lebens. Er erinnert an die Frauen und Männer, die das Donaumoos mit harter Arbeit, Mut und Ausdauer geprägt haben – und deren Geschichten zeigen, dass hinter jedem alten Haus ein echtes Leben steckt.
Norberthas Geschichte ist dabei nur eine von vielen – aber sie gibt dem Öxler-Hof ein Gesicht.
Ein Erbe der etwas anderen Art – der Hofstetter Hof
Stellen Sie sich vor, Sie heiraten. Als Hochzeitsgeschenk erhalten Sie von Ihrer Mutter und deren neuem Mann den Hof, auf dem er aufgewachsen ist. Doch Sie erben nicht nur Haus, Hof, Stall und Feld – sondern auch Ihren 71-jährigen Stiefgroßvater, der dort ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat.
Historischer Hintergrund
1880 bezogen Michael Schedelbauer und seine Frau Eva Anna einen Kolonistenhof in Grasheim und bekamen fünf Kinder. Eva Anna verstarb 1911. In diesem Jahr heiratete die älteste Tochter Veronika, und Michael Schedelbauer, der wegen seines markanten Bartes und seiner Tätigkeit als Schuhmacher auch Bartschuster genannt wird, zog in den Austrag. Das Haupthaus ging an Veronika und ihren Mann. Neben dem Wohnrecht erhielt der Bartschuster notarielle Zuwendungen in Form von jährlich 60 Mark, 300 Kilogramm Kartoffeln, 50 Kilogramm Korn, 20 Kilogramm Schweinefleisch, fünf Kilogramm Rinderschmalz, 100 Eiern, fünf Kilogramm Kochsalz, 10 Kilogramm Petroleum sowie 12.000 Stück Torf unter Dach. Zusätzlich stand ihm täglich ein Liter Milch zu. Er durfte Brunnen und Garten nutzen und hatte Anspruch darauf, dass seine Wäsche gewaschen und geflickt wurde sowie gepflegt zu werden, wenn er krank war.
Familiengeschichte
Veronika und ihr Mann Ludwig bekamen zwei Kinder, doch die Ehe verlief unglücklich. Nur zwei Jahre nach der Hochzeit, im Jahr 1913, verließ Ludwig seine Familie und wanderte in die USA aus. Das Hofgut ging daraufhin an Veronikas Bruder Josef, der 1915 die Witwe Regina Gogl heiratete. Die beiden lebten jedoch nicht im Hofstetter Hof. 1921 heiratete Josefs Stieftochter Katharina Gogl Alois Oppenheimer. Anlässlich dieser Hochzeit erhielten Katharina und Alois den Hofstetter Hof – inklusive Katharinas Stiefgroßvater, dem Bartschuster. Die Austrags- und Wohnrechte blieben bei Josef und Regina, doch Veronika lebte fortan unter einem Dach mit Michael Schedelbauer. Die Beziehungsdynamik im Hofstetter Hof lässt sich aus den Archivalien kaum vollständig nachvollziehen. Ein Beispiel aus dem Jahr 1924 zeigt das Familienbild: Auf dem Foto sitzt der alte Bartschuster ein wenig abseits der jungen Familie, bestehend aus der schwangeren Katharina, Alois und ihrem gemeinsamen Sohn.
Historische Normen
Was heute ungewöhnlich erscheint, war damals die Regel: Die Alten traten den Hof in der Regel an das älteste Kind nach dessen Heirat ab, im Gegenzug erhielten sie ein Wohnrecht. Dieses konnte zeitlich befristet oder bis zum Tod gelten. In einer Gesellschaft, die weder Rente noch Altenheime kannte, war der Austrag als Wohnstätte für die Älteren die Norm. Da viele Mösler jung starben, kam es häufig zu mehreren Eheschließungen im Leben, wodurch Familienstrukturen stark durchmischt waren. Auch der Hofstetter Hof entspricht diesem Muster: 1925 verstarb Alois Oppenheimer; im Folgejahr heiratete Katharina erneut, diesmal Hofstetterin, nämlich Ernst Hofstetter.
Das Schicksal der Bewohner des Hofstetter Hofs spiegelt in vielerlei Hinsicht das Leben im Moos im frühen 20. Jahrhundert wider – geprägt von engen familiären Verstrickungen, rechtlichen Vereinbarungen zum Wohnrecht und dem alltäglichen Umgang mit Besitz und Lebensübergaben.
Am südlichen Ende der Museumsstraße steht auf dem schmalen Streifen zwischen Weg und Kanal ein kleines Haus aus Grillheim in Karlskron. Im HAUS im MOOS heißt es schlicht „Kanalhaus“. Es liegt am Rand, wie sich auch seine Bewohner am Rand der Gesellschaft befanden. Über sie wissen wir weniger als über die „ehrbaren“ Familien der großen Bauernhöfe. Tagelöhner ohne Bürgerrecht tauchen in den Quellen nur selten auf. Doch gerade beim Kanalhaus können wir ihren Spuren folgen und entdecken ein Zuhause, das nur den Winter kannte.
Ein Haus, das ein halbes Jahr leer stand
Das Leben der ersten bekannten Bewohner, der Korbmacherfamilie Weidner, war ein ständiger Rhythmus aus Aufbruch und Rückkehr. 1864 kauften Michael und Anna Weidner am Nordende der heutigen Eicherstraße ein Grundstück von nur 100 Quadratmetern und errichteten darauf dieses kleine Haus. Durch die Tür gelangt man in einen schmalen Flur, an dessen Ende ein gemauerter Herd steht; rechts und links zweigen kleine Zimmer ab. Unter dem Dach bot ein zusätzlicher Raum Platz. Doch Ackerboden gab es keinen – und damit keine Möglichkeit, sesshaft zu wirtschaften.
Stattdessen gingen Michael und Anna zwischen Mai und September auf Wanderschaft. Als „Kirmzäuner“ verdienten sie ihren Lebensunterhalt mit dem Reparieren und Flechten von Körben, vor allem aus dünnen Spanstreifen. Ihre Kundschaft lag verstreut in Altbayern, und so war das Haus nur im Winter bewohnt. Von Oktober bis April kehrte die Familie zurück, lebte dicht gedrängt auf wenigen Quadratmetern – und bereitete sich auf den nächsten Sommer vor, der sie erneut fortführte.
Verluste, Wohnrecht und ein unsicheres Zuhause
Als Anna Weidner 1873 starb, waren die beiden Söhne Annaklet und Johann noch minderjährig. Nach den rechtlichen Gepflogenheiten der Zeit behielt der Vater das Haus. Annaklet durfte dort wohnen, solange er ledig blieb; Johann, offenbar körperlich beeinträchtigt, erhielt ein Wohnrecht auf Lebenszeit. Ein stabiles Zuhause war es dennoch nicht.
Als Michael drei Jahre später wieder heiratete, verkaufte er das Kanalhaus – wohl aus finanzieller Not – und mietete es für sich, seine neue Frau Walburga und die beiden Söhne zurück. Doch schon ein Jahr darauf konnte er es wieder erwerben. Allerdings hielt auch diese erneute Sesshaftigkeit nicht lange: Nach Michaels Tod 1889 übernahm der jüngere Sohn Johann das Haus und zahlte seinen Bruder sowie die Stiefmutter aus. Annaklet war inzwischen fortgezogen und arbeitete als Fabrikarbeiter in Heufeld. Walburga erhielt ein Wohnrecht. Durch das Testament kennen wir die einfache Ausstattung: eine Kücheneinrichtung, ein Bett, ein Kasten, ein Tisch, zwei Sessel und einige Bilder.
Immer neue Bewohner – und immer dieselbe Enge
1897 verkaufte Johann Weidner das Haus an das ältere Korbmacherehepaar Matthias und Therese Kügler, behielt aber das Wohnrecht für eine Parterrekammer. Hier konnte er, ohne eigenes Einkommen, seinen Lebensabend verbringen. Als die Küglers 1912 Jakob Eichner, dessen Frau Maria und ihre zwei kleinen Kinder aufnahmen, muss Johann bereits verstorben gewesen sein. Nun lebten zumindest in den Wintermonaten sechs Menschen unter diesem kleinen Dach – ein Haus, das nur ein halbes Jahr im Jahr bewohnt war und dennoch für viele ein letzter Rückzugsort blieb.
Ein Ort der Rückkehr
So erzählt das Kanalhaus nicht nur von Armut und harter
Arbeit, sondern auch von einem Leben, das zwischen den Jahreszeiten pendelte. Im Sommer auf den Straßen und bei der Kundschaft unterwegs. Im Winter zurückgezogen, gemeinsam unter einem kleinen Dach. Ein Zuhause – aber nur für die Hälfte des Jahres.
Abbildungen
Abb. 1 Kanalhaus auf dem Gelände des HAUS im MOOS (c) Jürgen Meyer
Abb. 2 Korbmacher aus Grillheim (c) HAUS im MOOS
Abb. 3 Spankorb für den Rücken, Inv. 5099 (c) HAUS im MOOS
Spuren einer wandernden Kindheit. Das Wanderbuch von Franziska Pletz aus Grillheim
Kindheit auf Wanderschaft
Vielleicht sind auch Sie schon einmal mit dem Riesenrad auf der Münchner Wiesn gefahren. Hoch oben eröffnet sich der Blick über das bunte Treiben des Festgeländes – und vielleicht ist Ihr Auge dabei auch auf das Schaustellerlager gefallen, das hinter Zäunen verborgen liegt. Aus der Vogelperspektive wird schnell klar: Die Wohnwägen bilden ein kleines Dorf, in dem ganze Familien mit ihren Kindern leben. Denn Schaustellersein – so wie die meisten anderen reisenden Berufe – ist ein Familienberuf.
Unterwegs und trotzdem schulpflichtig
Nach der Zeit auf der Theresienwiese geht es weiter zum nächsten Volksfest. Doch was passiert mit den Kindern im schulpflichtigen Alter? Schließlich gilt die Schulpflicht auch für sie. Diese Frage beschäftigt auch die Politik. Bund und Länder entwickelten deshalb ein eigenes System für die sogenannten „Kinder beruflich Reisender“. Dazu gehören Stamm- und Stützpunktschulen – und als zentrales Element das Schultagebuch.
In diesem wurden nicht nur Lehrpläne festgehalten, sondern auch Schulbesuche und Lernfortschritte dokumentiert. Die Idee dahinter ist älter, als man vermuten würde: Immerhin besteht in Bayern bereits seit 1802 eine allgemeine Schulpflicht.
Ein stilles Zeugnis aus dem Donaumoos
Aus dem Donaumoos ist ein solches Schultagebuch erhalten geblieben. Es gehörte Franziska Pletz, geboren am 29. September 1922 in Grillheim. Ihr Wanderbuch dokumentiert ihre Schulbesuche in den Jahren 1932, 1934 und 1935. Darin hielten Franziskas Lehrerinnen in sorgfältiger Sütterlinschrift fest, wann und wo das Mädchen jeweils die Schule besuchte.
Auf den ersten Blick wirken diese Einträge nüchtern und sachlich. Doch zwischen den Zeilen erzählen sie viel über das Leben eines Kindes auf Wanderschaft.
Neun Jahre alt – und schon ständig unterwegs
Als die Aufzeichnungen beginnen, ist Franziska neun Jahre alt. Die erste Wanderetappe führte die Korbmacherfamilie jedes Jahr ins rund 110 Kilometer südwestlich von Karlskron gelegene Unterdietfurt im Landkreis Rottal-Inn. Für diese Strecke benötigte die Familie zwischen zwei und fünf Tagen.
Besonders reiselustig war das Jahr 1932: Insgesamt legte die Familie 18 Stationen ein, zwei davon besuchte sie auf der Rückreise sogar ein weiteres Mal.
Zwischen Rott und Inn: kurze Wege, viele Stationen
Anfang Mai ging es zielstrebig Richtung Inn, danach wurden die Etappen deutlich kürzer. Im Durchschnitt lagen nur etwa zehn Kilometer zwischen den Orten. Meist blieb die Familie ein oder zwei Tage, bevor sie weiterzog. Längere Aufenthalte gab es im Juni: In Pfarrkirchen, Ulbering und Kößlarn verweilte man 14, sieben und zehn Tage.
Pfarrkirchen scheint dabei eine besondere Rolle gespielt zu haben. Zwar verrät das Wanderbuch nicht, wo Franziska und ihre Familie die Sommerferien von Mitte Juli bis Ende August verbrachten, doch der erste Schuleintrag nach den Ferien stammt wieder aus Pfarrkirchen. Auch 1934 hielt sich die Familie dort am längsten auf, und 1935 verbrachte sie sogar den gesamten Sommer in Pfarrkirchen. Ende September kehrte die Familie jeweils nach Karlskron zurück.
Fleiß zahlt sich aus
Zurück in Karlskron wurde Franziska von der Schulleiterin ein lückenloser Schulbesuch bescheinigt. Offenbar war sie eine fleißige Schülerin, die über den Winter nachholte, was sie während der Sommermonate trotz regelmäßiger Schulbesuche versäumt hatte.
Ihr Wanderbuch ist damit weit mehr als ein amtliches Dokument: Es ist ein stilles Zeugnis dafür, wie Bildung, Mobilität und Alltag im Donaumoos und darüber hinaus miteinander verbunden waren – und wie selbst ein wanderndes Leben festen Halt in der Schule finden konnte.
Veranstaltungshinweis: Wenn Sie mehr über Franziska Pletz, ihre Familie und das Leben der Korbmacher im Donaumoos erfahren möchten, sind Sie herzlich eingeladen, den Vortrag von Dr. Joana Mylek, Museumsleiterin HAUS im MOOS zu besuchen
Freitag, 18. September 2026, um 19:00 Uhr im HAUS im MOOS
Das Herzstück eines jeden Museums ist seine Sammlung. So ist es auch beim Freilichtmuseum des HAUS im MOOS, denn ohne die Objekte wären die Museumshäuser nur leere Hüllen. Wie bereits in der ersten Folge dieser Reihe erwähnt, wurde die Sammlung des HAUS im MOOS grundlegend vom Kulturhistorischen Verein Donaumoos angelegt. Es war die leidenschaftliche und fundierte Sammeltätigkeit der Mitglieder des KHVs, der wir überhaupt verdanken, dass es heute das Freilichtmuseum im Donaumoos gibt. Dafür möchten wir allen Mitgliedern des Vereins von Herzen danken!
Sammlungsquali-was?
Der Großteil der Sammlung ist in der alten Saatgutreinigungsanlage, der „Putzerei“, im Ortskern von Kalshuld untergebracht. Die Gemeinde wünscht nun, die Putzerei als neues Zentrum von Karlshuld zu nutzen – ein naheliegender Gedanke, wenn man die Lage und den ikonischen Charakter des Gebäudes bedenkt. Daher muss die Sammlung dort ausziehen. Der große Wunsch wäre, die Sammlung in einem neugebauten Depot auf dem Gelände des HAUS im MOOS unterzubringen, doch das kostet Zeit und Geld. Daher werden die Objekte zunächst in ein Zwischendepot in Untermaxfeld gebracht. Da dieses Zwischendepot jedoch deutlich kleiner ist als die Putzerei, muss die Sammlung vorher reduziert werden. Um dies auf einer wissenschaftlich sauberen Grundlage zu tun, wurde 2023 das Team Sammlungsqualifizierung ins Leben gerufen. Finanziert wird es durch eine Fraktionsreserve, also nicht durch den normalen Haushalt des HAUS im MOOS.
Sammlungsqualifizierung ist ein sperriges Wort und bedeutet im Grunde, eine Sammlung digital zu erfassen, also alle Objekte in einer Datenbank aufzunehmen. Dann wird ein Sammlungskonzept verfasst, in dem festgelegt wird, welche Objekte aus welcher Gegend und aus welchem Zeitraum gesammelt werden sollen – und welche eben nicht. Zudem werden Informationen zu Vorbesitzern oder Erhaltungszustand in der Datenbank festgehalten. Außerdem wird der genaue Standort der Objekte im Zwischendepot vermerkt, damit man die Dinge jederzeit leicht wiederfinden kann.
An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass der KHV hervorragende Arbeit bei der Archivierung der Objekte geleistet hat! Zu einem Großteil der Objekte gibt es eine detaillierte Dokumentation auf Papier. Das Sammlungsteams digitalisiert diese Dokumente und ordnet sie den richtigen Objekten zu.
Die Qual der Wahl
Am liebsten würden wir alles behalten, doch das ist aus Platz- und damit letztlich Geldgründen leider nicht möglich. Daher nehmen wir uns Objektgruppe für Objektgruppe vor und entscheiden, welche Objekte wir behalten und von welchen wir uns schweren Herzens trennen. Wesentliche Gründe ein Objekt zu behalten sind: Informationen über die Vorbesitzer, Herkunft aus dem Donaumoos, Einzigartigkeit, Erhaltungszustand. Wenn Objekte stark beschädigt sind, wir nichts über ihre Geschichte wissen oder wir zahlreiche Dubletten haben, können wir es rechtfertigen, sie nicht zu behalten. In der Vergangenheit haben wir versucht, die Objekte auf Flohmärkten an neue Besitzer zu vermitteln. Natürlich fragen wir auch bei anderen Museen an, allerdings versuchen die meisten Museen mit vergleichbarem Sammlungsschwerpunkt ebenfalls, ihre Sammlungen zu verschlanken.
Wie geht es weiter?
Bis Ende 2026 muss die Putzerei leer sein. Daher arbeiten wir unter Hochdruck daran, die Objekte zu sichten, sortieren und nach Untermaxfeld zu bringen. Parallel laufen die Planungen für das zukünftige Depot. Sobald es dazu spruchreife Neuigkeiten gibt, werden wir Sie an dieser Stelle informieren.
Wenn Sie Interesse an Objekten haben, die wir nicht behalten können, kontaktieren Sie uns jederzeit gern unter info@haus-im-moos.de oder 08454/95205!
1993 bekam das HAUS im MOOS von einem Bewohner aus Rosing alte Dachbalken angeboten, der sein altes Haus in der Zeller Straße abreißen wollte. Also fuhr der damalige Museumsleiter Fritz Koch nach Rosing, um die Balken anzuschauen. Als er das Haus sah, vermutete er sofort, dass es sich um ein ehemaliges Kolonistenhaus handeln könnte und stieß weitere Untersuchungen an.
Schnell war klar, dass Fritz Kochs Vermutung richtig gewesen war und es sich um ein Kolonistenhaus aus der allerersten Besiedlungswelle Mitte der 1790er-Jahre handelte. Dass ein solches Haus bis heute existiert, ist eine kleine Sensation. Daher beschlossen die Träger des Museums, also der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, der Bezirk Oberbayern sowie die drei Donaumoosgemeinden Königsmoos, Karlshuld und Karlskron, das Haus auf das Gelände des HAUS im MOOS zu bringen. Dieses Umziehen eines Hauses nennt man in der Fachsprache Translozieren.
Reise in die Vergangenheit
Der erste Schritt für eine Translozierung ist die genaue Ausmessung des Hauses. Dieses sogenannte Bauaufmaß finanzierte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Danach wurde vor allem der Dachstuhl ganz genau untersucht. Dabei fanden sich nicht nur die Reste der ersten Fenster, sondern auch verschiedene Scherben. Dadurch wissen wir, dass die ersten Bewohner des Hauses sich an einem Stubenofen wärmten, der mit unglasierten Tonkacheln verkleidet war. Diese waren mit Graphit eingefärbt, so dass es aussah, als sei der Ofen aus – viel teurerem und zu der Zeit modernem – Gusseisen gefertigt. Das Geschirr war ebenfalls aus Ton und handgetöpfert. Vermutlich hatten die Kolonisten es bei Hausierern oder auf der Dult gekauft. Im Zwischenboden fand man ein Kruzifix. Der Christus ist schnell und einfach geschnitzt und deutet darauf hin, dass es sich dabei um Massenware handelte, die im Winter in den Gebirgen geschnitzt und im Sommer von Hausierern verkauft wurde.
Doch das alte Haus erzählt noch mehr Geschichten: Das Bauholz wurde mit dem Beil zugehauen. In den Balken stecken noch die abgeschlagenen Holzkeile, mit denen Flößer das Stammholz zum Floß banden. Damit ist klar, dass das Holz, aus dem der Rosinger Hof gebaut ist, über Lech und Donau herbeigeflößt wurde.
Der Umzug
Am Ende der Untersuchungen stand fest, dass sich nur der Dachstuhl mit den Stubendecken für einen Umzug eignete. Um die 40 Tonnen schwere Konstruktion transportieren zu können, wurden Stahlträger unter der Decke eingezogen. Ein Lkw brachte ihn in zwei Teilen ins HAUS im MOOS, wo er zunächst zwischengelagert wurde, bis das Fundament und das Erdgeschoss errichtet waren. Das Projekt ging zügig voran: Zu Ostern 2000 begann der Abbau des Dachstuhls in Rosing, im Mai 2001 begannen die Bauarbeiten im Freilichtmuseum und 2002 konnte der Rosinger Hof fürs Publikum eröffnet werden. Richtung Norden wurde an den historischen Teil des Rosinger Hofs ein großer Saal mit offenem Dachstuhl angefügt, um mehr Platz für die vorgesehene Gastronomie zu schaffen.
Heute befindet sich im Rosinger Hof die Museumsgaststätte, in der Sie frisch gebrühten Kaffee und Kuchen oder eine zünftige Mahlzeit genießen können. Im Innenhof lädt der Biergarten ein, sich im Schatten der Kastanien zu erfrischen.
Zwischen Kochbuch und Realität: Die Küche im Donaumoos
Im 19. Jahrhundert entstand eine neue Art von Kochbuch, die vorgab, sich an alle Stände zu richten. Die bekanntesten Werke waren Sophie Wilhelmine Scheiblers Allgemeines Deutsches Kochbuch für alle Stände (1815), Henriette Davidis Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche (1845) und Katharina Pratos Die süddeutsche Küche (1858). Sie alle hatten gemeinsam, dass sie weniger alltägliche Gerichte für Hausfrauen zur Verfügung stellen wollten, als vielmehr den Lebensstil einer gehobeneren Schicht für das Bürgertum nachstellbar machen wollten.
Dass die in den Büchern beschriebenen Küchen und Rezepte wohl wenig mit der Lebensrealität der meisten Haushalte zutun hatten, zeigt allein die Auflistung all der speziellen Gerätschaften, die in jeder Küche vorhanden sein sollen. Die Rezepte drehen sich oft um Luxuszutaten wie Kaviar, Krebsschwänze und diverse Fleischsorten. Auch der enorm hohe Verbrauch an Eiern fällt ins Auge.
Selbst einfache Gerichte werden durch die Verwendung von Eiern verfeinert. So empfiehlt Sophie Wilhelmine Scheibler die Zubereitung von Brotsuppe wie folgt: „Man röstet etwas in feine Scheiben geschnittenes Wurzelwerk mit ein wenig Butter auf dem Feuer gelblich, füllt Wasser darauf, fügt ein paar Handvoll geriebenes Schwarzbrot und etwas Salz hinzu, kocht hiervon eine seimige Suppe, reibt diese durch ein Sieb, läßt sie mit etwas gehackter Petersilie noch einmal aufkochen und zieht sie mit einigen Eidottern ab, die mit ein wenig Sahne oder Milch klargerührt sind.“
Die Küche ist bei Scheibler ein perfekt ausgestatteter und ansehnlich inszenierter Ort, an dem die Kochkunst fast wie ein Theaterstück aufgeführt wird. Sie empfiehlt zum Beispiel die Verwendung von Kochgeschirr aus Kupfer – nicht zuletzt weil es an der Küchenwand als Dekoration so viel hermacht. Im Donaumoos suchte man Töpfe und Pfannen aus Kupfer vergeblich. Stattdessen finden wir emaillierte Töpfe. Zudem war die Küche der zentrale Ort des Hauses, an dem die ganze Familie sowie Mägde und Knechte mehrmals täglich zusammenkamen, um die Mahlzeiten einzunehmen. Abends saß man ebenfalls in der Küche beisammen. Die gute Stube war nur besondere Anlässe gedacht und blieb fast das ganze Jahr über unbenutzt.
Auf den Tisch kam im Donaumoos, was Feld und Garten bzw. die Speisekammer hergaben. Die wichtigste Arbeit neben dem täglichen Kochen war das Haltbarmachen von Lebensmitteln. Fleisch kam selten frisch auf den Tisch, sondern wurde durch Selchen und Räuchern haltbar gemacht. Milch diente überwiegend der Butterherstellung. Das Krautfass unter der Treppe im Flur war ein zentraler Vorrat für den Winter. Zugekauft wurden nur wenige Dinge wie Salz oder Kaffee. Letzterer kam als Rohbohne ins Haus – vom Händler an der Tür oder aus dem Kolonialwarenladen – und wurde dann selbst geröstet und gemahlen.
Verschwendet wurde nichts und so entstanden manchmal aus der Not heraus Gerichte, die teilweise über Generationen weitergereicht wurden und bis heute nach Heimat schmecken.
Von Steinzeitmenschen und Mammuts: Das Donaumoos in vorchristlicher Zeit
Das Donaumoos entstand vor gut 10.000 Jahren, als am Ende der letzten Eiszeit das von Süden und Westen kommenden Quellwasser durch eine Kiesbank im Norden nicht mehr in die Donau abfließen konnte. Die Landschaft war flach, dauerfeucht und von Schilf und Gräsern bewachsen, die gut mit der ständigen Nässe zurechtkamen. Wenn sie absterben, zersetzen sie sich unter der Wasseroberfläche nur so lange, bis der Sauerstoff im Wasser aufgebraucht ist. So wuchs ganz langsam ein Torfkörper heran und aus dem Sumpf wurde ein Moor.
Anfangs zogen noch Mammuts durch die Weite des Donaumoos, wie Funde von Stoßzähnen belegen. Die feuchten Sümpfe und Moore, die durch das schmelzende Eis zunehmend entstanden, trugen jedoch maßgeblich dazu bei, dass die Mammuts ausstarben.
Zwischen den Moorsenken verlaufen im Donaumoos flache Sand- und Kieshügel, in denen bei Grabungen in den 1930er- und 1960er-Jahren Spuren von menschlicher Besiedlung aus der Steinzeit gefunden wurden. Während das Donaumoos für die Landwirtschaft bis zu seiner Trockenlegung im späten 18. Jahrhundert denkbar schlecht geeignet war, bot es den Menschen der Mittelsteinzeit mit seinen fischreichen Seen ideale Bedingungen. Sie waren noch nicht richtig sesshaft, sondern lebten in leichten Hütten aus Gras oder Schilf, waren Jäger und Sammler und verlegten sich zunehmend auf den Fischfang.
1989 machten Archäologen bei Rohrenfels einen sensationellen Fund: Sie entdeckten das Grab einer 30 bis 40 Jahre alten Frau. Ihre beide Schultern berühren den Boden, vom Becken abwärts liegt der Körper auf der rechten Seite mit leicht angewinkelten Beinen. Neben ihrem Kopf fand sich ein Henkelbecher als Grabbeigabe. Um den Hals trug sie eine Kette, von der die mittig durchbohrte kreisrunde Knochenscheibe erhalten ist. Der Becher erlaubt durch seine Bronzelegierung eine Datierung auf die Zeit zwischen 2200 und 2000 v. Chr. Heute können Sie das Grab aus Rohrenfels im HAUS im MOOS bestaunen.
Leider wurden im Donaumoos keine systematischen Grabungen durchgeführt, so dass der Großteil der Funde wohl durch Kiesabbau und Landwirtschaft verloren ist. Durch fehlende Vergleichsfunde lässt sich auch sehr wenig über das Grab aus Rohrenfels sagen. Fest steht jedoch, dass das Donaumoos vor 1790 nicht so menschenleer war, wie gemeinhin angenommen.
Abbildungen
Abb. 1 Oppenweher Moor mit blühendem Wollgras in der Diepholzer Moorniederung
Abb. 2 Die frühbronzezeitliche Bestattung aus Rohrenfels, aus Schütz-Tillmann/Tillmann, Eine ungewöhnliche Bestattung der frühen Bronzezeit aus Rohrenfels, 1993, S. 45
Abb. 3 Zeichnungen der Grabbeigaben, aus Schütz-Tillmann/Tillmann, Eine ungewöhnliche Bestattung der frühen Bronzezeit aus Rohrenfels, 1993, S. 4